Bodenschutzbericht der Regierung: Belastete Böden

Der Bodenschutzbericht der Bundesregierung zeigt kaum Fortschritte bei Erosionsbekämpfung und Belastungen. Gerade in Gebieten mit großen Viehbeständen ist der Boden stark kontaminiert.

Mit modernsten Techniken untersuchen Behörden kontaminierte Böden. Bild: dpa

BERLIN taz Die Böden in Deutschland sind immer stärker gefährdet. Das geht aus dem zweiten Bodenschutzbericht hervor, den das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen hat. Neben dem Klimawandel macht die Regierung vor allem die Landwirtschaft als Verursacher aus. Problematisch sind zum Beispiel die Dünger.

Böden sind Lebensgrundlage für Mensch, Tier und Pflanze. Sie bauen Schadstoffe ab, filtern Wasser und sind Basis für die Lebensmittelerzeugung. Deshalb stellt die Bundesregierung alle paar Jahre den Zustand der Böden und die Fortschritte beim Schutz in einem Bericht dar.

Besonders schlecht schneidet in der Untersuchung die Landwirtschaft ab. Seit 1997 tragen laut Bericht Stickstoffverbindungen aus der Tierhaltung am stärksten dazu bei, dass Ökosysteme versauern oder zu viele Nährstoffe erhalten. Die Folge: Die Artenvielfalt nimmt ab.

Stickstoff steckt außer in der Gülle etwa auch in mineralischen Düngern. Zwei Deutschlandkarten des Berichts veranschaulichen das: In Gebieten mit sehr großen Viehbeständen - etwa in Teilen Niedersachsens - zeigen sie besonders viele orange und rote Flächen. Dort werden die Belastungsgrenzen sehr weit überschritten.

Auch im Kapitel über Erosion geht es hauptsächlich um Landwirtschaft. Weil Bauern die Äcker immer wieder aufbrechen, können Wind oder Wasser die Erde leichter abtragen. Der Bericht weist auf ein alarmierendes Szenario hin: Demnach wird die Erosion 2050 in zehn Jahren mehr als doppelt so viel Boden pro Hektar fordern wie derzeit - es sei, denn die Bauern steigen flächendeckend auf eine konservierende Bodenbearbeitung um.

So weit sind sich die Behörden mit Umweltschützern in der Analyse einig. "Aber in dem Bericht sind keine Maßnahmen genannt, die die Bundesregierung ergreifen kann", kritisiert Reinhild Benning, Agrarexpertin des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Sie fordert, den Landwirten mehr Bodenschutz vorzuschreiben: Die Erde müsse das ganze Jahr über bedeckt, die Humusbilanz leicht positiv sein. Überdüngung will Benning unter Strafe gestellt wissen.

Bessere Bodenschutzvorgaben für die Landwirte hatte sich die Aktivistin wie ihr Kollege vom Naturschutzbund (Nabu), Florian Schöne, vom Plan der EU-Kommission für eine Bodenrahmenrichtlinie erhofft. Allein, sie ist gescheitert - unter anderem am Widerstand Deutschlands.

Die Bundesregierung begründet ihre Ablehnung in dem Bericht mit dem Bürokratieaufwand und den Folgekosten. Außerdem müsse sich die Europäische Union nicht in das Thema einmischen, weil der Boden anders als Luft und Wasser kaum die Grenzen der einzelnen Mitgliedsländer überschreite.

Dabei ist Bodenschutz, kontert Nabu-Experte Schöne, auch Klimaschutz. "Und das ist ja wirklich eine grenzüberschreitende Aufgabe." Sein Argument: Bei der Überdüngung der Böden würden enorme Mengen von Gasen wie Lachgas frei, die viel klimaschädlicher seien als das berühmte Kohlendioxid.

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