: Bleibt Windkraft Windei?
■ Wirtschaftsbehörde blockiert den Ausbau
In der großen Koalition gärt es wegen des Programms zum Ausbau der Windenergie. Umweltsenatorin Christine Wischer (SPD) wirft der Wirtschaftsbehörde vor, das Windenergieprogramm der Koalition zu blockieren.
Wie der persönliche Referent von Wirtschaftssenator Josef Hattig (CDU), Mathias Middelberg, gegenüber der taz bestätigte, will seine Behörde die Planungen für einen Windpark neu überdenken. Durch diese Konkurrenzsituation auf dem Strommarkt würden die Preise derartig fallen, dass sich private Investoren eventuell zurückziehen würden. Gleichzeitig blockiert die Wirtschaftsbehörde bereits geplante Windkraftanlagen in der Hemelinger Marsch und im Industriepark West mit dem Argument, sie würden die Ansiedlung von Gewerbebetrieben verhindern.
Damit ist ein handfester Koalitionskrach in Sicht. Senatorin Wischer pocht auf die Erfüllung des Koalitionsvertrages, der den Ausbau der Bremer Windkraftkapazitäten von derzeit 18 auf 104 Generatoren bis zum Jahre 2005 vorsieht. Sie rief die Wirtschaftsbehörde auf, gemeinsam nach geeigneten Standorten für Windkraftanlagen zu suchen, „statt das Ende einer Zukunftsenergie herbeizureden“.
Die oppositionellen Grünen zeigten sich fassungslos, dass das wirtschaftspolitische Ziel einer verstärkten Mittelstandsförderung für das „ungeliebte Kind“ Windenergie nicht gelte. Wenn die CDU-Fraktion nicht für die Durchsetzung ihrer Initiative Windkraft sorge, bleibe diese „ein Windei“.
Innerhalb der CDU gibt man sich gelassen. Die umweltpolitische Sprecherin Viola Mull stellte bereits klar, dass sie am Windenergie-Ausbauprogramm festhält. jk
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen