Birmas Junta weiter unkooperativ: Helfer dürfen nicht arbeiten

Die Visa für UN-Mitarbeiter wirden inzwischen zwar erteilt, aber Reisen ins Katastrophengebiet brauchen vorherige Genehmigung. Birmas Generäle fordern indes 11 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern.

Birmesische Zyklon-Überlebende in einem Flüchtlingslager. Immernoch erreichen die Hilfsgüter die Katastrophengebiete nicht. Bild: dpa

BANGKOK taz Fast vier Wochen sind seit dem verheerenden Wirbelsturm "Nargis" in Birma vergangen, und langsam trifft internationale Hilfe in dem am schwersten verwüsteten Irrawaddy-Delta ein. UN-Sprecher Richard Horsey beschrieb die Situation gestern als "vorsichtig positiv", nachdem internationalen UN-Angehörigen grünes Licht für eine Reise ins Delta gegeben wurde.

Allerdings habe man Birmas Militärregime 48 Stunden zuvor davon in Kenntnis setzen müssen. Auch hätten mittlerweile alle anderen Mitarbeiter aus Übersee ein Visum für Birma erhalten. Das letzte von 45 beantragten Visa sei am Mittwoch vergeben worden, so Horsey weiter.

Helfer des Roten Kreuzes hingegen warten immer noch auf eine Erlaubnis, in die am schwersten zerstörten Gebiete fahren zu können. Die meisten von 30 ausländischen Mitarbeitern in Rangun hätten zwar ein Visum für Birma, aber keine Erlaubnis, innerhalb des Landes zu reisen, sagte John Sparrow, Sprecher der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften in Bangkok, der taz. "Wir müssen jetzt etwas tun", forderte er. Der Bedarf an sauberem Wasser sei enorm. Sparrow hofft indes, dass sechs internationale Wasserspezialisten heute die Erlaubnis bekommen, ins Katastrophengebiet zu reisen.

Vor einer Woche hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Juntachef Than Shwe das Zugeständnis abgerungen, allen ausländischen Helfern Zutritt ins Katastrophengebiet zu gewähren. Immer noch ist nicht klar, wie diese Zusicherung umgesetzt wird. Zum Beispiel verbietet Birmas Junta ausländischen Militärschiffen weiterhin, die sich an Bord befindenden Tonnen von Hilfsgütern an Birmas Küste zu löschen. Der für den Pazifik zuständige US-Kommandant Timothy Keating machte gestern deutlich, dass die betreffenden Marineschiffe bald umkehren könnten. Frankreich hatte bereits genug von dieser Hängepartie: Das Schiff "Le Mistral" entlud seine Hilfsgüter vor Kurzem an der Küste der thailändischen Insel Phuket. Von dort aus sollten diese auf dem Landweg nach Birma gebracht werden. "Was jetzt erbracht werden muss, sind wirkliche Aktionen", forderte Surin Pitsuwan, Generalsekretär des südostasiatischen Staatenbundes Asean, von Birmas Junta.

Indes ändert sich in Birmas Staatsmedien immer wieder der Tonfall gegenüber den ausländischen Helfern. In einem Zeitungskommentar von gestern soll es geheißen haben, die Sturmopfer brauchten "die vom Ausland gespendeten Schokoladenriegel" nicht. Der internationalen Gemeinschaft wird damit vorgeworfen, sie geize bei ihrer Hilfe für Birma. Vier Wochen nach dem Unwetter sei mit 150 Millionen Dollar erst ein Bruchteil der von den UNO angeforderten Hilfsgelder in Höhe von 201 Millionen Dollar eingegangen, hieß es in dem Blatt. Birmas Generäle hatten gar 11 Milliarden US-Dollar gefordert. Nach Ansicht von Beobachtern ist der jüngste Schmähkommentar eine Reaktion auf die internationale Kritik an der Verlängerung des Hausarrests für Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte sich am Dienstag enttäuscht über das Vorgehen der Junta geäußert. NICOLA GLASS

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