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Bio-Buletten in vollen Zügen

■ Die Hochbahn denkt über Frühstück in der U -Bahn nach Von Uwe Scholz

„Alle Zutaten aus garantiert ökologischem Anbau!“ Chefkoch Johann Peter Weiß strahlt die versammelte Journalistenschar an, während er einen dicken Hamburger in die Runde hält. Keiner will die Hackfleisch-Brötchen-Ketchup-Komposition essen. Das liegt nicht an der Bulette oder an Herrn Weiß. Es ist einfach noch zu früh, die Leute haben gerade gefrühstückt.

Die JournalistInnen erlebten gestern den Anfang eines Projektes, dessen Fortsetzung allerdings sehr ungewiß ist: In ferner Zukunft will die Hamburger Hochbahn Frühstück in der U-Bahn servieren. Zu Demonstrationszwecken hatte sie das hintere Drittel eines U-Bahn-Wagens der Linie 3 durch eine Theke abgetrennt. Dahinter stehen drei Leute in weißen Kochkostümen und lächeln um die Wette. Einen Tag lang verkehrte der Burger-Sonderzug auf dem alten U-Bahn-Ring und nahm auch reguläre Fahrgäste mit. Die gestrige Aktion hatte vor allem einen Zweck: „Wir wollen zeigen, daß der Nahverkehr und die Hamburger U-Bahn attraktiv sind“, sagt Joachim Häger, Pressesprecher der HHA. „Alles weitere steht in den Sternen.“ Und die HHA will mit den Fahrgästen ins Gespräch kommen. 250.000 Leute fahren jeden Tag mit der U 3. Bei zwei Mark pro Bio-Bulette „macht das Einnahmen von rund einer halben Million Mark am Tag“, rechnet ein gewiefter Schreiberling nach.

Diese mutige Prognose will ihm zwar keiner der anwesenden Offiziellen bestätigen. Doch für ökonomisch interessant halten es alle. „Bis zu 10.000 Arbeitsplätze könnte nach unserer Rechnung so ein Frühstücksdienst in der U-Bahn bringen“, meint Ulrich Hoffmann, der in der ÖTV für den Nahverkehr zuständig ist. Und: „Die Umrüstung eines Wagens wäre mit 10- bis 20.000 Mark auch nicht teuer.“ Daß McDonald's in einigen Zügen der Bundesbahn einen ähnlichen Service wieder aufgeben mußte, stört ihn nicht: „Man kann ja auch andere Produkte anbieten“.

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