Besetztes Restaurant in Paris: Luxusköche verderben den Brei

Ein Edelrestaurant in Paris ist von seiner schwarzen Küchenbelegschaft besetzt worden. Die illegalen Einwanderer aus Afrika wollen Verträge und die Legalisierung.

Pariser Köche haben die Kelle an den Nagel gehängt. Bild: dpa

PARIS taz Das Restaurant "La Grande Armée" hat die quartierübliche Eleganz des 16. Pariser Arrondissement. Im Inneren führt ein Maître dHôtel die Gäste über dicke Teppichböden zu breiten Stühlen aus weinrotem Plüsch. Mittags und abends tafeln gut verdienende Pariser hinter den großen Glasscheiben des "Grande Armée", das zu der Kette der Costes-Restaurants gehört. Die Champagnerpreise reichen bis zu 300 Euro pro Flasche.

An diesem Valentinstag ist die Vitrine mit knallroten Transparenten verhängt. "Papiere für alle" steht darauf. Und: "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Aufgereiht auf Plüschstühlen im Inneren des Lokals sitzen neun junge Männer zwischen 23 und 33 Jahren. Alle tragen blütenweiße Schuhe, blau-weiß karierte Hosen und blütenweiße Kittel. Alle neun sind schwarz. Keiner hat legale Aufenthaltspapiere. Am Mittwochvormittag haben diese Tellerwäscher und Hilfsköche die Küche verlassen, in der manche von ihnen seit neun Jahren arbeiten.

Sie sind in den Streik getreten und haben einen Teil des Restaurants besetzt. "Wir verlangen Aufenthaltsgenehmigungen und unbefristete Arbeitsverträge", sagt Mamadou Traoré. Er arbeitet seit sieben Jahren in Frankreich, davon ein und dreiviertel in der "Grande Armée". Hätte er Aufenthaltspapiere, würde er einen besseren Arbeitsvertrag bekommen. Mit bezahltem Urlaub und bezahlten Pausen und geregelten Arbeitszeiten.

Der Patron, so versichern die Schwarzarbeiter, habe immer gewusst, dass ihre Papiere nicht echt waren. Aber nie hat er die geringste Anstrengung unternommen, um ihre Situation zu legalisieren. Das Thema "Schwarzarbeiter", von denen es in den Küchen der französischen Restaurants hunderttausende gibt, sei in der "Grande Armée" tabu gewesen, erzählen sie. Selbst Witze darüber mochte er nicht hören. Wenn einer der Tellerwäscher Probleme mit den Behörden bekam, habe der Patron geraten, einen neuen Namen anzugeben, und einen neuen Vertrag gemacht.

Alle neun Streikenden haben Lohnzettel dabei. Darauf ist detailliert aufgelistet, wie viel Beiträge allmonatlich von ihrem Bruttolohn für die Rentenkasse und die Krankenversicherung abgezogen wird. Aber die Aufenthaltspapiere der jungen Männer sind nicht echt. Die meisten wurden an der Pariser Metrostation Barbès gekauft. Dort kostet eine Aufenthaltsgenehmigung 200 Euro. Eine Sozialversicherungskarte gibt es für 60 Euro.

"Ich bin mit dem Boot nach Spanien gekommen", sagt der 24-jährige Fodie Konté, "wie alle". Eine Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich hat er nie gehabt. Seine Papiere hat er schon auf der Überfahrt weggeschmissen. "Sonst wäre ich abgeschoben worden."

Anfangs hat Fodie Konté Fenster geputzt. Auf der Suche nach einer anderen Arbeit ist er vor fünf Jahren in das Restaurant "Grande Armée" hineinspaziert. Der Patron hat ihm gesagt, dass vielleicht bald etwas frei würde. Ein paar Tage später stand Fodie Konté in der Küche des Restaurants. Als er sich im Jahr 2005 beim Herstellen eines Schokoladenkuchens schwere Verbrennungen am Unterarm zuzog, wollte Fodie Konté die Arztkosten von der Krankenversicherung zurückholen. Darauf schrieb die Kasse, in die er damals schon seit Jahren einzahlte, dass seine Papiere nicht echt seien. "Der Patron schlug mir vor, einen neuen Namen anzunehmen", sagt Fodie Konté, "er brauchte mich."

Die jungen Männer wissen, dass sie mit ihrer Protestaktion viel riskieren. Im schlimmsten Fall werden sie abgeschoben. Das hilft Frankreichs Migrationsminister Brice Hortefeux, seine vom Staatspräsident Nicolas Sarkozy gesetzte Quote von alljährlich 25.000 Abschiebungen zu erfüllen.

"Das Risiko kenne ich", sagt Fodie Konté. In den Jahren seiner Schwarzarbeit hat er geflissentlich Buch geführt. Demnach hat er 4.900 Euro Steuern gezahlt. "Warum sollte ich nicht dieselben Rechte wie alle Beschäftigten haben?", fragt er.

Der Chef der "Grande Armée" will an diesem Valentinstag nicht mit Journalisten sprechen. Die Anwältin der Costes-Gruppe, der das Restaurant gehört, auch nicht.

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