Bayern verliert gegen Hannover: Statt Druck nur Hektik

Ein Freistoßtor reichte: Bayern München ist jetzt schon einem Gegner wie Hannover 96 unterlegen.

Auch Ribery konnte nichts mehr retten: Die Bayern verlieren. Bild: dpa

HANNOVER taz Es geht um das Richtige. Und wenn es um das Richtige geht, dann geht es auch immer um das Falsche. Hannover 96 gewann gegen Bayern München. Mit 1:0 (1:0) durch einen schönen Freistoß von Szabolcs Huszti (23.), den Bayern-Kapitän Mark van Bommel, der sich sonst zurückhielt, an Huszti verschuldet hatte. Der Ungar hob den Ball mit dem linken Fuß über die Mauer ins linke Eck. Ein paar Schlauberger haben bei diesem Treffer einen Torwartfehler von Michael Rensing gesehen, als habe Oliver Kahn immer auch alle Unhaltbaren gehalten.

Das letzte Mal verlor Bayern vor 20 Jahren in Hannover. So viel zur Geschichte. Die nahe Zukunft sieht so aus: In den kommenden zwei Monaten spielen die Bayern englische Wochen. Trainer Jürgen Klinsmann nennt das "schwerer Rhythmus". Also ließ er gegen Hannover 96 rotieren, Vorgänge, die in anderen Ligen Europas üblich sind, hierzulande immer noch diskutiert werden. Van Bommel sagte dazu: "Wenn du rotierst und gewinnst, ist alles gut, wenn du verlierst, ist alles schlecht."

Lucio und Zé Roberto nicht im Kader, Bastian Schweinsteiger, Franck Ribery, Toni Kroos und Massimo Oddo auf der Bank. Tim Borowski in der Rolle von Michael Ballack, leicht links versetzt im Mittelfeld, bei Ballbesitz des Gegners als zusätzlicher Sechser, bei eigenem Ballbesitz neben den Spitzen Luca Toni und Miroslav Klose; José Ernesto Sosa im rechten Mittelfeld; Breno Innenverteider neben Martin Demichelis; Christian Lell rechter Außenverteidiger und Andreas Ottl neben van Bommel im defensiven Mittelfeld.

Für Klinsmann war nicht das Wechseln für die Niederlage entscheidend, "da die Spieler, die wir haben, gut genug sind, um dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken". Auch Manager Uli Hoeneß glaubt nicht, "dass die Niederlage irgendwas mit der Aufstellung zu tun hatte". Wenn man Klinsmann kritisiert, dann nicht für das Richtige, das er tut. Es war keine Frage der Aufstellung, eher eine der Einstellung. Sosa, der 23-jährige argentinische Nationalspieler, spielte in der ersten Halbzeit so, als habe er einfach überhaupt keine Lust. Er bekam kaum einen Ball, und die wenigen, die er bekam, waren gleich wieder weg. Was dazu führte, dass die Bayern, wenn sie es denn mal versuchten, über Lahm und Borowski kamen, also über links. Die Mannschaft spielte miserabel. In der 54. Minute gab es die allererste Torchance durch Toni.

"Um das Spiel zu drehen, hat uns vieles gefehlt: Kreativität, Spielwitz, Spiel ohne Ball", sagte Klinsmann. Er brachte zur zweiten Halbzeit Franck Ribery für Borowski, später Lukas Podolski für Ottl. Er hätte gerne auch noch Schweinsteiger gebracht, aber das ging nicht, weil er in der 14. Minute Massimo Oddo für den mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel ausgeschiedenen Lell einwechseln musste.

Zwei Wochen Pause für Lell. Das ist die Rotation, die sich die Spieler holen, wenn der Trainer sie nicht schont. Der gerade erst wieder einsatzfähige Ribery kritisierte die Einstellung der Kollegen: "Bei einigen fehlt mir der Wille, Spiele zu gewinnen. Einigen reicht es, zu spielen", so der Franzose, selbst noch weit von der Bestform entfernt.

Als die Bayern versuchten, Druck zu machen, kam nur Hektik dabei heraus. Klinsmann dreht an vielen Schrauben, um den Auftrag, den er hat, zu erfüllen: Die Bayern sollen schneller spielen; die Lücke zu Manchester United, Arsenal, dem FC Chelsea, zu den Spaniern und Italienern, zu Olympique Lyon, gegen die der FCB morgen Abend ein Heimspiel in der Champions League bestreitet, soll kleiner werden.

Schwere Aufgabe, im Moment machen Klinsmanns Spieler es ihrem Trainer nicht leichter. Weil sie nicht mal das machen, was die Bayern können: schlecht spielen und trotzdem gewinnen. Einen reinmurmeln, mit Dusel, ungerechtfertigte Elfmeter bekommen, Pech beim Gegner. Klinsmann muss vieles ändern, den Dusel hätte er gerne behalten. Klinsmann weiß, was ihn erwartet: "Der Wind, der jetzt aufgebaut wird, gehört bei Bayern dazu." Es ist der Wind, der ihm ins Gesicht bläst.

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