Basketball: Dann guckt wieder keiner

Die neue Saison startet mit den zurückgekehrten Stars aus der Nationalmannschaft. Trotzdem kämpft die Liga erfolglos um eine bessere mediale Vermarktung.

So viel Aufmerksamkeit wie bei der WM? Davon können die deutschen Liga-Spieler nur träumen. Bild: dpa

Das kam schon lange nicht mehr vor: Vier deutsche Nationalspieler erzielen 61,4 Prozent der Punkte für ihren Bundesliga-Klub. Am Sonntag, beim allerersten Saisonspiel des Basketball-Meisters aus Bamberg, einem knappen 57:55-Sieg gegen die EWE Baskets Oldenburg, steuerten Steffen Hamann, Ademola Okulaja, Demond Greene und Tim Ohlbrecht 35 Punkte bei.

Gesehen hat dies allerdings nur eine Handvoll Menschen mehr, als in die mit 6.500 Zuschauern ausverkaufte Bamberger Jako-Arena passen. Denn die Basketball-Bundesliga (BBL) ist mit Beginn der Saison 2007/08 nach drei Pay-TV-Jahren bei Premiere vorerst nur noch im Internet (sportdigital-tv) und über eine neu gegründete digitale Satelliten-Plattform (entavio) zu sehen. Bisher haben sich dafür aber erst rund 850 Abonnenten erwärmen können. "Wenn das so bleibt, ist das natürlich nicht zufriedenstellend", formuliert Berlins Geschäftsführer Marco Baldi zurückhaltend. Das Ziel eines offenen TV-Zugangs mit breiter Verbreitung sei bisher "nicht sichtbar", so Baldi.

Jan Pommer, Geschäftsführer der BBL und von den 18 Clubs als deren Verhandlungspartner in Sachen Fernsehen bestimmt, sieht dies freilich anders. Er spricht von einer "großen Chance" und von über 100 Live-Spielen, die von sportdigital-tv produziert und dann über die Agentur Sport-Five an Free-TV-Sender verkauft werden können. Parallel dazu verhandelt Pommer aktuell mit den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Ein Vertrag ist auch nach dem ersten Spieltag noch nicht unterschrieben. Wobei Pommer von einer grundsätzlichen Einigung spricht. Angedacht ist ein Deal, der die Basketballer zurück auf die große Bühne bringen soll. Konkret ist von Nachrichtenbeiträgen in der "Sportschau", dem "Sportstudio" und den dritten Programmen die Rede. Zusätzlich soll es ein Live-Spiel der Woche geben. Verhandelt wird darüber mit dem Deutschen Sportfernsehen genauso wie mit Eurosport. Vollzug möchte Pommer "eher in Tagen denn in Wochen" vermelden.

Die Strategie ist klar: Raus aus der Nische, rein ins öffentliche (rechtliche) Bewusstsein. Dafür hatte die Bundesliga sogar ein recht lukratives Angebot des Münchner Bezahlsenders Premiere ausgeschlagen. Pommer sagt: "Reichweite geht vor Profit." In der vergangenen Saison verfolgten bei Premiere lediglich 60.000 Zuschauer die dramatische Endspielserie zwischen Bamberg und Quakenbrück. "Einen Witz" nennt Bambergs Manager Wolfgang Hyder das. Deshalb sind die Franken nun auf eigene Faust nach München gefahren, um beim Bayerischen Rundfunk (BR) vorzusprechen. Erwirkt hat der Meister, dass zumindest seine Spiele gegen den Branchenprimus Alba Berlin in einer 40- bis 45-minütigen Zusammenfassung gezeigt werden sollen. Sowohl im BR als auch in der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalt der Region Berlin- Brandenburg, kurz RBB. Außerdem soll von den Bamberger Europaligaspielen in Ausschnitten berichtet werden. Dass es BBL-Chef Pommer gelingen wird, einen ähnlichen Deal auch für die gesamte Liga einzufädeln, hält Bambergs Hyder für realistisch. "Die Chancen sind da", sagt er. "Berlin, wir, Frankfurt und Köln werden keine Probleme habe. Nur die Breite der Liga, die kommt nicht vor", glaubt Hyder.

Nur so könnte es passieren, dass die große Rückreisewelle deutscher Nationalspielern in den Wohnstuben der Republik auch wahrgenommen wird. Denn Ademola Okulaja (Bamberg), Pascal Roller (Frankfurt), Misan Nikagbatse (Köln) und Patrick Femerling (Berlin) sollen helfen, der Liga ein deutsches Gesicht zu geben, und als Vorbilder für die Jugend fungieren. Denn dies ist ein erklärtes Ziel der BBL. Drei Jahre nach der weltweiten Spielermarktöffnung haben die Clubs erkannt, dass ihre Zukunft nicht in der x-ten Spielerverpflichtung eines US-Athleten liegt, sondern in der Nachwuchsförderung. Für Berlins Marco Baldi ist dies "Ausdruck der gestiegenen Professionalität". Wie dringend der deutsche Basketball frische, junge Spieler braucht, hat zuletzt die Europameisterschaft in Spanien gezeigt. Hier wurde die DBB-Auswahl als ältestes Team gerade so eben Fünfter. "Hier haben wir mit Schmerzen gesehen, wo wir stehen", so Hyder.

An diesem Punkt will die BBL nun mit einer Reihe von Maßnahmen ansetzen. Die wichtigste ist ein sogenannter "Jugendfonds". Aus einem mit 750.000 Euro gefüllten Topf sollen sowohl Clubs entschädigt werden, die einen Jugendlichen an einen Konkurrenten verlieren, als auch jene Mannschaften belohnt werden, die in der Bundesliga auf die eigenen Talente setzen. Einen nachhaltigen Effekt von solchen Aktionen kann man sich freilich nur dann erhoffen, wenn die Liga ihr Publikum findet - am besten natürlich auch im Fernsehen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de