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BILDUNG"Wir brauchen Konsequenzen"

Die Kritik an VERA kann Peter Heyer vom Grundschulverband verstehen - für verzichtbar hält er die Vergleichstests nicht. Sie müssten aber weiterentwickelt werden.

Interview von

Alke Wierth

taz: Herr Heyer, Grundschulen in sozialen Brennpunkten werden von vielen bildungsbewussten Eltern gemieden. Tun sich diese Schulen eigentlich einen Gefallen, wenn sie nun sagen, die VERA-Tests wären für ihre Kinder zu schwer?

Peter Heyer: Es ist prinzipiell immer gut, wenn über die Situation der Grundschulen geredet wird. Hier wird aber eine Stellvertreterdebatte geführt: Es geht im Grunde nicht um VERA, sondern um die Probleme, die in Schulen besonders in sozialen Brennpunkten bestehen. Die sind vorhanden. Aber die Schulen sollten aufhören, ständig zu beklagen, dass sie die falschen Kinder hätten, Kinder mit Defiziten oder aus defizitären Elternhäusern. Es ist ihre Aufgabe, für die Kinder da zu sein, die in ihrem Umfeld leben, wie auch immer ihre augenblickliche Lernausgangslage ist. Darauf haben die Schulen dann pädagogisch zu reagieren.

Ein Argument gegen die VERA-Tests lautet, dass viele Kinder der Brennpunktschulen Leistungs- und Entwicklungsdefizite hätten, die in den Aufgaben nicht berücksichtigt würden. Stimmt das?

Ja. Viele VERA-Aufgaben der letzten Jahre wurden dem tatsächlichen Stand der Lernentwicklung vieler Kinder - unabhängig von deren Herkunft - nicht gerecht. Aufgaben sind unbrauchbar, wenn viele Kinder sie schlicht nicht verstehen. Daran muss bei der Entwicklung künftiger VERA-Aufgaben gearbeitet werden.

Sollte der Test abgeschafft werden?

Nein. Es ist wichtig, dass wir unsere Diagnosekultur weiterentwickeln, dass wir lernen, besser hinzusehen, was Kinder können und was nicht - um daraus Konsequenzen zu ziehen. Mein Vorschlag wäre aber, eine derart aufwändige Geschichte, die den Lehrkräften viel Arbeit macht, nur alle drei oder vier Jahre durchzuführen. Außerdem sind, wie gesagt, die Aufgaben zu verbessern. Sie sind zu beziehen auf Kinder, wie sie heute sind - und da gehören Kinder mit Migrationshintergrund und aus prekären Verhältnissen einfach dazu. Deren sprachliche Entwicklung muss berücksichtigt werden. Aber das reicht natürlich nicht.

Was muss noch geschehen?

Das größte Problem ist, dass die Vergleichsarbeiten selten Konsequenzen haben. Die meisten Kollegien überlegen viel zu wenig anhand der Ergebnisse, wie man den Unterricht verbessern kann. Wenn wir wirklich eine Grundschule wollen, die alle Kinder fördert, brauchen wir zudem spezielle Kompetenzen an den Schulen, die bislang nur selten vorhanden sind, etwa logopädische. Und die müssen verlässlich vorhanden sein. Es ist unstrittig, dass deutsche Grundschulen im europäischen Vergleich schlecht finanziert sind. Da müsste endlich etwas passieren.

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