Aufrüstung in der Tischtennisliga: Das Nilpferd legt die Noppen ab

Timo Boll wird mit Düsseldorf endlich Deutscher Mannschaftsmeister, aber die Tischtennisliga kränkelt. Dem versucht Altbausanierer und Sponsor Frank Müller was entgegen zu setzen.

Borussia Düsseldorfs Spieler Christian Süß, Timo Boll und Pavel Korbel (l-r) freuen sich über die Trophäe des Deutschen Mannschaftsmeisters. Bild: dpa

DÜSSELDORF taz Es war ein "schönes Gefühl". Und Timo Boll genoss es sichtlich. Er mag dreifacher amtierender Tischtennis-Europameister sein, er mag die Champions League gewonnen haben, nun gelang es ihm mit Borussia Düsseldorf "nach zwölf Jahren Bundesliga, endlich auch mit der Mannschaft Meister zu werden". Das zweite Finale am Samstag gegen Titelverteidiger TTC Frickenhausen war allerdings nur mehr Formsache. Nach nur 21 Minuten posierte Boll schon für erste Meisterfotos.

Denn schon das Hinspiel bei Titelverteidiger TTC Frickenhausen hatte der FC Bayern München des Tischtennis locker 6:2 gewonnen. "Wenn wir das versemmelt hätten, wäre es die größte Blamage aller Zeiten gewesen", kommentierte Dimitrij Ovtcharov, Bolls Kollege in Düsseldorf und der deutschen Nationalmannschaft. Aber die Sorgen des 19-Jährigen waren unbegründet. Schon nach den Eingangsdoppeln, die beide an Düsseldorf gingen, stand die Meisterschaft fest. Anschließend sahen die nur 2.400 Zuschauer weitere spektakuläre Ballwechsel und einen 6:3-Heimsieg.

Es war der 21. Meistertitel für Düsseldorf. Dank der Zugänge Boll und Ovtcharov überwand die Borussia souverän die Durststrecke seit 2003 und heimste auch den Pokal ein. Wie der FC Bayern scheiterte Düsseldorf aber international im Halbfinale. Franz Beckenbauer muss die Parallelen offenbar sympathisch gefunden haben und übermittelte per Fax Glückwünsche vom 21-fachen Fußballmeister.

Die Konkurrenz fürchtet in den nächsten Jahren weitere Düsseldorfer Alleingänge. Um dies zu verhindern, soll als ein Gegengewicht ein "starker Verein im Süden etabliert" werden. So formuliert der Mann das Ziel, der für das neue Namenungetüm TTC Müller Frickenhausen/Würzburg verantwortlich ist: Frank Müller. Der bekennende Selbstdarsteller beendete sein Engagement beim Meister von 2005, weil in Würzburg "mangelnde Perspektiven für einen Spitzenverein" herrschten. Nachdem eine ortsansässige Brauerei ihr Sponsoring reduziert hatte, musste Müller wie schon bei seinem früheren Klub Weitmar-Munscheid die meisten Ausgaben selbst stemmen.

Deshalb verzichtete der Tabellenachte auf eine neue Lizenz und schloss sich dem schwäbischen Vizemeister an. Der TTC wird aber nach den Abgängen des 39-jährigen Bundesliga-Urgesteins Ma Wenge, der nach Frankreich wechselt, und Bojan Tokic wenig zu bestellen haben. Immerhin bleiben den Fans nach dem Zusammenschluss weitere Einsätze von Altbausanierer Müller erspart. Der übergewichtige Sponsor mit Noppenbelägen, die ihm den Beinamen "Nilpferd mit Noppen" einbrachten, hatte sich ab und an im Doppel selbst aufgeboten. Künftig wird die Bundesliga aber mit nur noch drei statt vier Spielern bestritten. Kürzere Begegnungen sollen dafür sorgen, dass mehr als einstündige Endspielzusammenfassungen im DSF gezeigt werden.

Die einhergehende Kostenreduzierung durch kleinere Kader animiert dennoch niemand zum Aufstieg in die Deutsche Tischtennis-Liga (DTTL). Kein einziger der 20 Zweitligisten hat einen Lizenzantrag für die Eliteklasse gestellt. Absteiger gibt es daher in der DTTL auch nicht - und durch Würzburgs Zusammenschluss mit Frickenhausen reduziert sich die Zahl der Vereine auf neun statt zehn.

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