Atommüllschiff läuft auf Grund: Trunkenheit am Steuerrad

Vor der Ostseeinsel Bornholm setzt ein russisches Schiff für Atomtransporte auf Grund auf, weil der Kapitän betrunken war. Glück im Unglück: Der Frachter war leer.

STOCKHOLM taz Höchste Strahlenbereitschaft wurde in der Nacht zum Samstag für den Rettungsdienst auf der dänischen Ostseeinsel Bornholm ausgelöst. Der Grund: Der russische Atommüll-Transporter "MCL Trader", der in der Vergangenheit auch das hochgiftige und radioaktive Uranhexafluorid beförderte, war vom Kurs abgekommen. Und Kontaktversuche über Funk und Rettungskreuzer schlugen fehl.

Um 3.10 Uhr lief das Schiff schließlich nahe einem Strand nördlich des Inselhauptorts Rønne auf Grund. Wie sich im Anschluss zur Erleichterung des Katastrophenschutzes herausstellte, hatte das Schiff mit Kurs auf St. Petersburg diesmal keinen Atommüll geladen.

Der Kapitän des Schiffes war volltrunken und wurde wegen Verdacht des Verstoßes gegen die Seesicherheitsbestimmungen in Gewahrsam genommen. Eine polizeiliche Alkoholkontrolle ergab bei ihm einen Wert von 2,38 Promille. Er selbst gab an, sich nach Ende seiner Wache um zwei Uhr schlafen gelegt zu haben. Stimmt dies, scheint ihm offenbar nicht aufgefallen zu sein, dass der Steuermann seine anschließende Wache nicht angetreten hatte und das Schiff allein mit dem Autopiloten weiterfuhr. Das piepsende GPS-Gerät, das die Kursabweichung meldete, bliebt unbemerkt. Da das Schiff nicht leck schlug und deshalb auch kein Öl austrat, droht dem Kapitän nach Mitteilung der zuständigen Staatsanwältin Benthe Pedersen Lund nun allenfalls eine Haftstrafe von einem Monat.

Inselbürgermeister Bjarne Kristiansen kritisiert daher die geltenden Strafdrohungen: "Fast jeden zweiten Tag kommt vor Bornholm ein Schiff vom Kurs ab. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wirklich etwas passiert und ein Öltanker oder ein tatsächlich mit Atommüll beladener Frachter hier auf Grund läuft."

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