■ Anfangs herrschte stolze Hoffnung und die griffige Parole „Land gegen Frieden“ schien eine geeignete Grundlage, auf der Israelis und Palästinenser ihre Zukunft gestalten könnten. Doch die Landübergabe wurde immer zögerlicher vollzogen und der Frieden immer wieder vertagt. Und gegenseitiges Vertrauen, das über die Jahre aufgebaut werden sollte, kann man auch heute noch mit der Lupe suchen. Viele Palästinenser beklagen die Ohnmacht der Gegenwart während viele Israelis ohnmächtig den Frieden beschwören EinStimmungsbild
■ Kabila triumphiert in Kinshasa und bläst zur Hatz auf die Tutsi. Er wird nun versuchen, die Rebellen im Osten des Kongo und deren Verbündete Ruanda und Uganda zu destabilisieren
■ Die SPD zelebrierte am Samstag den Auftakt ihres Wahlkampfes. In Berlin erlebten 6.000 Besucher, von Kameras bestens in Szene gesetzt, einen Kanzlerkandidaten fürs einfache Volk
■ China signalisiert eine ungewohnte Offenheit in der Tibet-Frage. Der Grünen-Politikerin Antje Vollmer entgeht das nicht. Bei ihrer Reise durch Tibet sucht sie nach neuen Verhandlungsoptionen zwischen Peking und dem Dalai Lama. Bisher mit erstaunlichem Erfolg.
■ Keine Region fasziniert den Westen so stark wie Tibet. Der Dalai Lama zieht parteiübergeifende Sympathien auf sich. Die Exilregierung bedient populäre Themen
Reinhold Dosch ist seit dreißig Jahren Mitglied einer Freimaurerloge in Berlin. Der Mysterienbund habe ihn davor bewahrt, lebenslänglich nur über das Wetter reden zu müssen. Statt dessen fand er ein Forum gleichgesinnter Männer, um über Gott und die Welt sprechen zu können. Ein Portrait ■ von Uta Andresen
Überall in der Republik buhlen sommerliche Musikfestivals um Zuhörer – in Rheinsberg, Eutin oder Meldorf. Das Schleswig-Holstein Musik Festival lebt seit zwölf Jahren vor, wie der Erfolg organisiert werden kann: mit Entertainment, Stars, bemüht lockerer Atmosphäre und musikalischen Darbietungen, die manchmal sogar höchsten Ansprüchen genügen. Sogar der staatlich subventionierte Opernbetrieb profitiert vom steigenden Festspielfieber ■ Von Ralph Bollmann (Text) und Detlev Schilke (Fotos)
Nach dem Tod von Militärdiktator Abacha geht Nigeria ungewissen Zeiten entgegen. Auch die Metropole Lagos, größte Stadt Schwarzafrikas, kämpft gegen den Niedergang. Inmitten des täglichen Überlebenskampfes träumen Trendsetter von besseren Zeiten ■ Von Dominic Johnson und Harry Nutt (Text) sowie Akinbode Akinbiyi (Fotos)
■ Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU), seit fast einem halben Jahrhundert Mitglied der IG Metall, wirft dem Gewerkschaftsdachverband wegen seiner Kampagne für die SPD „einseitige Parteinahme“ und „Engstirnigkeit“ vor
„Die Frau schweige in der Gemeinde“, heißt es immer noch in der katholischen Kirche. Viele Frauen haben frustriert die Mutter Kirche verlassen. Andere allerdings setzen auf eine Graswurzeltaktik, um der Männerkirche Machtpositionen abzuringen ■ Von Bernhard Pötter
Sie gilt als große Mystikerin des Abendlandes: Hildegard von Bingen. Die adlige Ordensfrau hatte bereits in früher Jugend Visionen, aus denen sie ihre Vorstellung vom Kosmos ableitete. Ihre Grunderkenntnis: Alles hängt mit allem zusammen. Obwohl über 800 Jahre tot, übt sie auch heute noch große Faszination aus. Frauenbewegte beanspruchen sie als eine der ersten emanzipierten Frauen, Esoteriker als Seherin und geniale Heilkundige. Fest steht nur: Hildegard von Bingen war eine außergewöhnliche Frau, ußergewöhnlich begabt und außergewöhnlich durchsetzungsfähig. Fürsten las sie die Leviten, von den Kirchenoberen verlangte sie Reformen, Mönchen rang sie gar ein eigenes Frauenkloster ab. Wie groß das Interesse an der Ordensfrau ist, ist spätestens in Bingen zu spüren: Die Kleinstadt hat einen Tourismusmagneten gefunden. Es gibt Dinkelkissen, Hildegardplätzchen und jede Menge Stadtführungen. Derweil versuchen die Nonnen im heutigen Hildegardkloster das schiefe Bild ihrer berühmten Vorgängerin zurechzurücken. Über die merkwürdige Renaissance einer Klosterfrau ■ Aus Bingen Barbara Debus