Arte-Themenabend zu Littells Nazi-Roman: Diskussion um Monster-Manuskript

In "Die Wohlgesinnten. Auf den Spuren eines literarischen Phänomens" diskutieren Kritiker und Verleger über Jonathan Littells Nazi-Roman (Arte, Do 22.40 Uhr).

Ein Täterbuch? "Mutig", findet Michel Friedman. Bild: zdf/arte

In Frankreich ist es eine Sensation, in Deutschland wurde es mit Spannung erwartet: Jonathan Littells Roman "Die Wohlgesinnten". So groß ist die Diskussion über dieses Buch geworden, dass Arte sie jetzt in einem Film dokumentiert.

Der steigt ein mit Straßenszenen, mit schnellen Schnitten und knackigen Statements. "Ich finde es mutig, ich finde es richtig, ein Täterbuch zu schreiben", sagt Michel Friedman gewohnt überzeugt, und sofort ist der Film drin in der regen Debatte.

Zu Wort kommen lassen Hilka Sinning und Edda Baumann-von Broen, die den Film machten, Kritiker, Lektoren und Verleger. Sie erzählen von ihrer persönlichen Erstbegegnung mit dem Roman - und dann lag dieses monströse Manuskript auf dem Schreibtisch! - oder von ihrem Gefühl beim Lesen, das Frank Schirrmacher beschreibt als "wie von einem Felsbrocken erschlagen zu werden".

Die Doku zeichnet die Geschichte eines Buches vom Manuskript bis zum Bestseller nach und baut dabei die Kontroversen der aktuellen Debatte ein. Der französische Journalist Sylvain Bourmeau etwa empört sich über Littells Faszination für Wehrmachtsdienstgrade; er müsse dabei "an verklemmte Jugendliche denken, die mit Begeisterung Nazi-Objekte bei Ebay ersteigern. Man schaut hier auf die Geschichte mit einem Voyeurismus, den ich höchst bedenklich finde." Man könne wohl schlecht annehmen, dass alle Franzosen sadistische Voyeure seien, hält Elisabeth Ruge vom Berlin Verlag dagegen.

Auch die deutsch-französische Frage wird erörtert: Wird sich der unglaubliche Erfolg des Werkes in Frankreich bei uns wiederholen? Michel Friedman glaubt das eher nicht: "Die Details in dem Buch sind für Franzosen neuer und spannender als für uns." Und auch Frank Schirrmacher sieht kein neues "Krieg und Frieden" herannahen. Immerhin, eine interessante Debatte hat der Roman uns beschert - und einen unterhaltsamen Film darüber jetzt auch. LANA STILLE

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de