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■ StörzeileCDU zum Frühstück

War das gestern bei ihnen genauso? Sie sitzen beim Frühstück, löffeln mehr oder weniger lustvoll ihr Müsli. Ihr Gegenüber blättert lustlos in der Zeitung, schlägt sich plötzlich auf die Schenkel, bricht ohne ersichtlichen Grund in schallendes Gelächter aus und prustet ihnen den Milchkaffee aufs Hemd? Ja? War es so? Dann hat auch ihr Frühstückspartner gestern das Abendblatt gelesen, dann ist auch er auf die dort abgedruckte gelungene PR-Anzeige der Hamburger CDU gestoßen, dann hat sich auch in seinem Kopf etwa folgendes abgespielt:

CDU? Was wollen die denn noch? Mal lesen. “Liebe Parteifreunde, wenig erfreulich war für uns alle die Nachricht vom Weggang einiger Weggefährten.“ Ach so, eine Traueranzeige. “Sie verließen unsere Partei aufgrund eigener Entscheidungen, die wir, wenn auch mit Bedauern, respektieren.“ Um Gottes willen, eine Selbstmordwelle bei der CDU, das war ja gestern gar nicht in den Nachrichten. „Ärgerlich jedoch ist das Bild der Hamburger CDU, das die Beteiligten der Öffentlichkeit zu vermitteln versuchen.“ Hä, also doch keiner gestorben? “Die Wahl der Kandidaten für die Bürgerschaftsliste erfolgt stets in geheimer Abstimmung.“ Stets? „Das alles überragende Kriterium ist: die Leistung.“

Bei politisch vorgebildeten Frühstückspartnern war es angesichts der CDU-KandidatInnenliste mit den vielen bekannten Gesichtern spätestens in diesem Moment vorbei mit der Disziplin und dem sauberen Hemd. Pech eigentlich, denn sie verpaßten den eigentlichen Höhepunkt des Fischer-Briefes: “Es gibt kein Gewohnheitsrecht auf Ämter und Listenplätze. Wozu wären Wahlen sonst da?“Pruuust.

Uli Exner

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