Anwohner werden Gärtner: Kräuter statt Beton

Eine AnwohnerInnen-Initiative will den bisher ungenutzten Lucie-Flechtmann-Platz in der Neustadt in einen Nachbarschafts-Garten verwandeln.

Keine Lust mehr auf öden Beton: AnwohnerInnen der Grünenstraße bepflanzen gemeinsam "Lucie". Bild: Benjamin Eichler

Mehr als 30 AnwohnerInnen, ausgerüstet mit Handschuhen, Schäufelchen und Setzlingen, bepflanzen selbstgebaute Hochbeete. Die stehen auf dem großen und bisher ungenutzten Neustädter Lucie-Flechtmann-Platz, zwischen Westerstraße, Heinrich-Bierbaum-Straße und Grünenstraße. „Lucie“ soll zu einem grünen Gemeinschaftsgarten umgestaltet werden, denn der nach der Fischhändlerin Lucie Flechtmann benannte Platz versprüht bisher wenig Freude: als „grau, tot und unwirklich“ empfinden ihn Fußgänger, Anwohner und Stadt. Gemeinsam mit vielen UnterstützerInnen haben Judith Frier und Eva Kirschenmann, die Macherinnen des Projekts „Ab geht die Lucie“, in einem Bürgerantrag in der Grünenstraße im benachbarten Seniorenwohnheim und in einer Kinderkrippe Ideen gesammelt, um dem menschenleeren Platz wieder Leben einzuhauchen.

Von einem Sommerkino, einem Café bis hin zu einer temporären Bühne, auf der die Shakespeare-Company auftreten könnte, kamen viele Ideen zusammen. Vor allem aber eins soll der Platz werden: grün, sehr grün. Dem Projekt liegt auch persönliches Interesse zugrunde: „Wir hatten einfach Bock, was zu machen. Ich wohne hier in der Gegend und beim Anblick des Platzes wurde ich jedes Mal wütend“, sagt Eva Kirschenmann. Sie will den gesellschaftlichen Diskurs um den Platz fördern und ihn den Fußgängern widmen. „Es wird keine Gewerbefläche, keine Parkplätze oder sonstige Bebauung geben.“ Beim Stadtamt stießen sie damit auf offene Ohren. Ende vergangen Jahres folgte dann die Zustimmung des Beirats.

Dabei wurde eben dieser Platz, der früher als Gewerbegrundstück und Parkplatz genutzt wurde, von der Stadt Bremen vor 10 Jahren gekauft, um ihn als Ersatzfläche für die Neustädter BewohnerInnen zu gestalten. Für den Umbau investierte man damals 1 Million Euro. Nach einem Konzept von Christian Schilling wurden graue Betonplatten verlegt, zu betreten über Ziertreppen vom Bordstein aus. Möglichst pflegeleicht sollte der Platz sein – mit der Folge freilich, dass die Nutzung nach der Umgestaltung ausblieb. Viele BewohnerInnen des angrenzenden Seniorenwohnheims schaffen es nicht über die Ziertreppen und meiden die „Lucie“ gezielt. Einer kommerziellen Nutzung als Markt- oder Festplatz widersprechen zudem fehlende Stromanschlüsse.

In dieser Form ist „Lucie“ also nicht nutzbar: So scheinen es mittlerweile auch die Behörden verinnerlicht zu haben. Für diesen Sommer haben sie den Problemfall deshalb zur Zwischennutzung freigegeben; auch eine langfristige Umgestaltung könne sich daraus ergeben. Fortan einen Monat lang bepflanzen die Initiatoren von „Ab geht die Lucie“ gemeinsam mit AnwohnerInnen den Platz. Eva Kirschenmann hofft jetzt, dass sich viele AnwohnerInnen mit Lust auf gemeinsames Gärtnern und Ernten beteiligen, denn ob die „Lucie“ tatsächlich als Gemeinschaftsgarten die Weichen für einen zentralen Treffpunkt im Herzen der Neustadt stellen kann, „entscheiden die Leute selbst“.

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