Anti-Kriegs-Demonstration: Angst vor Hetzstimmung

900 Kurden demonstrieren gegen den Krieg der Türkei im Nordirak. Abgeordnete der Linken befürchten, dass der türkische Nationalismus auch in Berlin zunimmt

Bild: DPA

Die Berliner Kurden sind in Aufruhr. Sie fürchten, der Einmarsch türkischer Truppen in den Nordirak könnte auch türkische Nationalisten in Deutschland aufhetzen. Am Mittwoch protestierten in Kreuzberg nach Polizeiangaben rund 900 Kurden friedlich gegen die Militäroffensive. "Türkische Armee raus aus Kurdistan!", skandierten die Teilnehmer zum Auftakt am Kottbusser Tor. Anschließend zog der Demonstrationszug zum türkischen Konsulat in Mitte. Aufgerufen zu der Kundgebung hatten zwei kurdische Organisationen, die zum Dachverband Yek-kom gehören. Diesem werden enge Beziehungen zur in Deutschland verbotenen PKK nachgesagt.

Obwohl die Demonstration friedlich verlief, macht sich Giyasettin Sayan, Abgeordneter der Berliner Linken, Sorgen. "Auch unter den türkischen Nationalisten in Deutschland herrscht Hetzstimmung", sagte er vor der Demonstration. Viele der nationalistischen türkischen Vereine seien in der Kurdenfrage sehr aufgeregt und aggressiv. "Bisher leben Kurden und Türken in Deutschland friedlich miteinander", sagte Evrim Baba, die ebenfalls für die Linken im Abgeordnetenhaus sitzt. Sayan und Baba appellierten an türkische und kurdische Immigranten, sich weiterhin friedlich zu verhalten. "Wir wollen verhindern, dass die Probleme der Kurdenfrage aus der Türkei nach Berlin schwappen", sagte Baba.

Verärgert sind Sayan und Baba über das Verhalten der Bundesregierung. "Die Bundesregierung muss sich deutlich vom Kriegskurs der Türkei distanzieren", forderte Baba. "Die Panzer, die im Nordirak einmarschieren, sind deutsche Panzer", so Sayan. Er und Baba fordern den sofortigen Stopp von Waffenlieferungen an die Türkei.

In Berlin leben laut Baba mehr als 70.000 Kurden. In den letzten Monaten demonstrierten kurdische Organisationen mehrfach friedlich gegen den Einmarsch der Türkei im Irak. Im Oktober vergangenen Jahres kam es bei einer Demonstration, zu der ein türkischer Kulturverein aufgerufen hatte, zu Ausschreitungen gegen kurdische Einrichtungen. Seitdem war die Stimmung jedoch eher entspannt.

Von kurdischer Seite aus werde es auch jetzt keine Ausschreitungen in Berlin geben, versicherte Riza Baran, Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Berlin-Brandenburg. "Wir wollen ein friedliches Zusammenleben und gegenseitige Achtung von Kurden und Türken", so Baran. Seine Gemeinde versuche, Kontakt zu türkischen Organisationen aufzunehmen.

Auch der Vorsitzende von Yek-kom, Yüksel Koc, sprach sich gegen Gewalt aus. "In der Vergangenheit haben sich kurdische Organisationen vorbildlich verhalten." Das werde auch so bleiben.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de