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Anschläge auf Anwälte

■ Angeblich „rechte Drahtzieher“

Unbekannte Täter haben auf die Büroräume des früheren Landesvorsitzenden der rechtsextremen „Republikaner“, Carsten Pagel, und zwei weitere Rechtsanwälte Buttersäure-Anschläge verübt. In einem mit „Autonome Gruppen Emil Wendland“ unterzeichneten Bekennerschreiben werden die drei Anwälte „faschistische Rechtsanwälte“ mit „Schlüsselfunktionen in der schwarzbraunen Randzone als auch der militanten Neonaziorganisationen“ bezeichnet.

Wie die Polizei gestern bestätigte, wurden die Taten bereits in der Zeit zwischem dem 7. und dem 11. Juli verübt. Der frühere Rep-Anhänger Carsten Pagel erlebte damit den dritten Anschlag in Folge. Erst hatte er mit dem Vorsitzenden der „Deutschen Liga für Volk und Heimat“, Gerhard Kaindl, im Chinarestaurant am selben Tisch gesessen, als dieser erschossen wurde. Danach wurde sein Auto angezündet. Den Satz in dem Bekennerschreiben, er sei „seit über 10 Jahren als Drahtzieher im braunen Netz Berlins dabei“, kommentierte Pagels gestern kurz angebunden: „Das ist nicht der Fall.“

Bei den beiden anderen Opfern der Buttersäure-Anschläge handelte sich um die Anwälte St. und N. Die beiden Inhaber von Kanzleien in der City waren gestern aufgrund von Urlaub beziehungsweise Krankheit persönlich nicht erreichbar. Eine Mitarbeiterin von St. bezeichnete den Inhalt des Bekennerschreibens „als große Lüge“. Der Sozius von N. glaubte an eine Verwechslung: „Wir sind neutral, weder rechts noch links.“

Wie die taz gestern erfuhr, haben mindestens zwei Anwaltsbüros vor einigen Tagen per Post ein Schreiben erhalten, das den Briefkopf der Rechtsanwaltskammer trägt, aber eine Fälschung ist. In ihm wird Bezug auf die Anschläge genommen und durch die Blume davor gewarnt, Mandate aus dem rechtsextremistischen Milieu zu übernehmen. Der Präsident der Anwaltskammer, Bernhard Dombek, hat Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Er betonte, ein solches Schreiben würde die Anwaltskammer nicht verfassen. „Wir versuchen, jeden Einfluß auf Mandatsübernahmen zu vermeiden.“ Auch ein Rechtsextremer habe das Recht auf einen Anwalt. Mitarbeiter beider Büros, die den gefälschten Brief erhielten, erklärten, keine rechtsextremistischen Mandanten zu haben. Das eine bearbeitet ausschließlich Wirtschaftsstrafsachen, das andere zählt sich zum linken Spektrum. plu

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