Amerika-Reportage im ZDF: Und Kleber staunt

Claus Kleber reist in ein Amerika fernab von Bush. Sein Film "Amerikas andere Seite - was Kalifornien besser macht" wäre aber auch eine prima "Spiegel"-Titelstory: Mi, 22.15 Uhr, ZDF

Mit Windkraft und Elektroauto die Welt retten - Kalifornien denkt um. Bild: dpa

Man kann ihm die Begeisterung, dem Mainzer Lerchenberg entkommen zu sein, auf dem das ZDF residiert, förmlich ansehen: Claus Kleber, der "heute journal"-Moderator und vom Spiegel umworben, ist von der ersten Minute des Films an in seinem Element: Er ist endlich wieder USA-Korrespondent - was er früher war. Er staunt, er fragt, und er macht sich seinen Reim auf das, was er hört und sieht.

Aber vor allem eben staunt er: Über das immer grüner werdende Kalifornien und seinen grundkonservativen Governeur Arnold Schwarzenegger. Über Buck's Restaurant, wo ein Ex-Hippie im Silicon Valley neue Ideen und neues Geld zusammenbringt. Über den Vorstand vom Unternehmerverband, der ganz selbstverständlich mit dem Rennrad zum Termin kommt und das Gefährt dann noch viel selbstverständlicher durch die Lobby des Nobelhotels rollt. In Mainz bekommt man für so was schon in der Jugendherberge Ärger, sagt der Gesichtsausdruck des Manns vom "heute journal", in der ZDF-Kantine sowieso. "Wir haben in Kalifornien gelernt, das Grün Gold ist", sagt der radelnde Unternehmer-Lobbyist.

Das ist schön gefilmt und gut konsumierbar und natürlich auch ein bisschen schlicht: amerikanisch eben. Nach all den ironischen, zynischen, verzweifelten Porträts dieser seltsamen USA mit ihrem leicht fanatischen Präsidenten im fernen Washington jetzt also die Gegenfolie: Das andere Amerika, immer noch "Land of the free", ebenfalls mit der Mission, die Welt zu retten. Aber eben per Windkraft und Elektroauto.

"Der Kurswechsel ist fällig zu den Kräften der Natur - zu Wind und Sonne", raunt Kleber, und spätestens dann fühlt man sich ein bisschen wie in einer Dauerwerbesendung. Kein Mythos wird ausgelassen, und irgendwann sagt der Mann, den sie beim Spiegel als Chefredakteur haben wollen, allen Ernstes: "Nicht verzagen, schon größere Ideen sind aus kleineren Garagen gekommen."

Doch Klebers Begeisterung will bei allem Enthusiasmus einfach nicht anstecken, und die wahre, große Klimax bleibt dem Film auch versagt: Über das Gespräch mit Arnold "Governator" Schwarzenegger informiert nur der ZDF-Pressetext: "Mit dem Klimaschutz muss etwas passieren - da mach ich was mit Merkel", habe Schwarzenegger zu Kleber gesagt. Dummerweise fiel das versprochene Interview am Ende flach - aus Rücksicht auf Bush, so das ZDF. Wenn Kleber aber erst mal Spiegel-Chefredakteur ist, redet Schwarzenegger bestimmt mit ihm. Und in seiner plakativen Art ist seine Staun-Reportage doch bis hin zum Wording eine klasse Titelgeschichte für das Hamburger Nachrichtenmagazin - ganz in der Tradition eines gewissen Stefan Aust.

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