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"Alles schräge Vögel"

■ Weitere Vorwürfe gegen zwei Baugenossenschaften / Bisher 200 Geschädigte bekannt / Verband prüft Seriosität

Berlin. Der Skandal um die beiden Pankower Wohnungsbaugenossenschaften „Areal“ und „Dewobau“ zieht Kreise. Bei der Berliner MieterGemeinschaft, die am Donnerstag gegen die Unternehmen Anzeige wegen des Verdachts auf Betrug erstattet hatte, haben sich bisher nahezu zweihundert Betroffene gemeldet. Wie berichtet, versprach die Dewobau in Zeitungsannoncen, Wohnungsprobleme innerhalb von drei bis fünf Jahren zu lösen. Um ein Anrecht auf eine Dreizimmerwohnung zu erhalten, mußten Wohnungssuchende einen Mitgliedsbeitrag von 2.160 Mark sowie Genossenschaftsanteile in Höhe von 30.000 Mark zahlen. Gerhard Heß von der Berliner MieterGemeinschaft schätzt die Zahl der insgesamt Betroffenen auf ein- bis zweitausend. „Die bisherigen Aussagen“, so Heß, „haben unsere Vermutungen bestätigt. In keinem einzigen Fall gibt es konkrete Bauplanungen, geschweige denn Grundstücke, ebensowenig wie die Mitglieder bisher Genossenschaftsurkunden erhalten haben.“ Für Heß ein klarer Fall von Betrug: „Die haben mit dem Geld alles andere vor, nur nicht Wohnungsbau.“

Die Dewobau mit Sitz in der Pankower Breite Straße, eingetragen allerdings im Genossenschaftsregister in Bayreuth, hatte Ende 1992 die Nachfolge der Areal angetreten. Zuvor hatte der Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen Auflagen mit der Eintragung der Areal in das Berliner Genossenschaftsregister geknüpft. Seither, so Gerhard Heß, wurde allen Mitgliedern geraten, in die Dewobau zu wechseln, in deren Vorstand sich im übrigen Helmut Brückner, Landtagsabgeordneter der bayerischen Grünen, befinde.

Die Dewobau wollte sich gestern gegenüber der taz nicht zu den Vorwürfen äußern. Noch am Wochenende hatte der Sprecher der Firma, Werner Nowka, gegenüber der Presse angekündigt, der Berliner MieterGemeinschaft Entlastungsmaterial zu überreichen. „Bislang“, so Gerhard Heß, „ist bei uns niemand von der Dewobau aufgetaucht.“ Weniger bedeckt hielt sich hingegen Klaus Döblin, ehemaliges Vorstandsmitglied der Areal: „Das sind alles schräge Vögel“. Er selbst habe bereits 1991, kurz vor seinem Ausstieg, erlebt, wie von den heute noch in der Dewobau Verantwortlichen „jeden Tag etwas anders geschwindelt wurde“. Dem entspricht auch die Aussage eines Betroffenen, dem auf Anfrage, wo denn nun gebaut werden solle, auf einer Karte die Rieselfelder zwischen Karow und Schildow gezeigt wurden. „Völlig verseucht“, so Heß, „das ist überhaupt kein Bauland.“

„Das stinkt zum Himmel“, kommentierte gestern auch die Sprecherin des Verbands Berlin- Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, Christa Fluhr, gegenüber der taz die Seriosität der Dewobau. Man habe nun veranlaßt, daß der bayerische Landesverband die gesetzliche Prüfung der Firma erneut in Angriff nehme. „Bisher“, so Fluhr, „war bei denen niemand zu erreichen.“ Uwe Rada

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