Alitalia ohne Käufer: Bruchlandung droht

Weil Air France-KLM die italienische Fluglinie nun doch nicht übernehmen will, ist der Weiterbetrieb von Alitalia gefährdet.

Mit dem Rückzug des Kaufinteressenten Air France-KLM hat sich die Krise der italienischen Fluglinie Alitalia dramatisch verschärft. Bild: dpa

ROM taz Mit dem Rückzug des Kaufinteressenten Air France-KLM hat sich die Krise der italienischen Fluglinie Alitalia dramatisch verschärft. Selbst ein Konkurs der überschuldeten Airline wird nun nicht mehr ausgeschlossen. Die italienische Flugaufsicht Enac warnte zudem, Alitalia könne die Fluglizenz verlieren. Die Aktie der Airline fiel an der Mailänder Börse um mehr als 11 Prozent und wurde zunächst vom Handel ausgesetzt.

Air France hatte am Montagabend mitgeteilt, an der Übernahme bestehe kein Interesse mehr; die italienische Seite habe die am 14. März zwischen beiden für den endgültigen Abschluss des Deals fixierten Bedingungen nicht erfüllt. Mehr als 2 Milliarden Euro wollte Air France sich die Übernahme kosten lassen. Zwar war der Kaufpreis mit nur 140 Millionen Euro deutlich unter dem seinerzeitigen Börsenwert des Unternehmens angesetzt, aber die französischen Bieter wollten zugleich 1 Milliarde Euro in eine Kapitalerhöhung der mit 1,3 Milliarden Euro verschuldeten Fluglinie stecken und in den nächsten Jahren eine weitere Milliarde für die Modernisierung der Flotte verwenden. Die scheidende Regierung Romano Prodis - der Staat hält 49,9 Prozent an Alitalia - hatte daraufhin den Deal gebilligt. Zwei Bedingungen aber hatte Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta genannt. Erstens sollten die Gewerkschaften dem Geschäft zustimmen. Die aber störten sich am geplanten Personalabbau von mindestens 2.000 der knapp 20.000 Stellen, zu denen jedoch noch einmal der Verlust von bis zu 5.000 Arbeitsplätzen bei Instandhaltung und Bodendiensten kommen konnte. Die zweite Klausel: Auch die kommende Regierung sollte dem Verkauf der Alitalia zustimmen.

Nachdem schon die Gespräche mit den Gewerkschaften vorerst gescheitert waren, geriet die Alitalia automatisch in die Turbulenzen des italienischen Wahlkampfes. Der Rechten gefiel es nicht nur, mit Nationalrhetorik gegen den "Ausverkauf" an die Franzosen Stimmung zu machen. Zugleich hatte sie handfeste sachliche Gründe: Air France will den römischen Airport Fiumicino statt des Mailänder Flughafens Malpensa zum neuen Alitalia-Drehkreuz machen. Das stößt vor allem der mit Silvio Berlusconi verbündeten Lega Nord, aber auch zahlreichen Berlusconi-Politikern aus dem Norden sauer auf. Die Folge: Italiens Rechte machte deutlich, sie wolle lieber eine "nationale Lösung". In der letzten Woche brachte Berlusconi dann nach Gesprächen mit Vladimir Putin auch noch die russische Aeroflot als möglichen Käufer ins Spiel.

Air-France-Chef Spinetta zog daraufhin jetzt die Bremse. Damit steht das Überleben der Alitalia auf dem Spiel: Die Kassenbestände garantieren die Aufrechterhaltung des Flugbetriebes nur noch bis Mai, höchstens bis Juni. Schon am Dienstag trafen sich Vertreter der scheidenden Regierung zu ersten Krisengesprächen, und heute soll eine Kabinettssondersitzung über die Vergabe eines Überbrückungskredits beraten. Diesen hatte die Regierung aber immer von einem "glaubwürdigen Lösungskonzept" abhängig gemacht, nicht zuletzt weil die EU-Kommission mit einem Veto droht. Ohne eine schnelle Überbrückungslösung aber droht das sofortige Aus.

Nicht auszuschließen ist deshalb, dass die Einsetzung eines Zwangsverwalters beschlossen wird. Der würde dann jene radikalen Schnitte ins Streckennetz und ins Personal vornehmen, die Alitalia wieder zu einem attraktiven Übernahmekandidaten für zahlreiche Bieter - auch für die Lufthansa - machen könnte.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de