Absolute Mehrheit bröckelt: Zähneklappern bei der CSU

Nach einem fahrigen Auftritt von Ministerpräsident Beckstein im TV-Duell hofft die Partei auf ein Comeback. Die Wahlzentrale setzt auf eine Last-Minute-Kampagne in den letzten 72 Stunden.

Fahriger Auftritt: Beckstein im TV Duell. Bild: reuters

So ausgelassen wie am Donnerstagabend hat man Bayerns Sozialdemokraten lange nicht erlebt. "So sehen Sieger aus", sangen sie, als ihr Spitzenkandidat Franz Maget die bayerische SPD-Zentrale am Münchner Oberanger betrat - so, als hätte er die Wahl schon gewonnen.

Dabei hatte er nur ein TV-Duell mit Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) überstanden. Als die Jubelgesänge leiser wurden, griff Maget zum Mikro und sagte über die CSU: "Wenn das bei denen mal ins Rutschen kommt, dann kommen die auch nicht mehr hoch."

Tatsächlich rutscht derzeit einiges bei Bayerns Regierungspartei. In den vergangenen zwei Tagen erschienen zwei Umfragen, nach denen die Partei gut eine Woche vor der Landtagswahl dramatische Verluste eingefahren hat: Sowohl die Zahlen von Infratest Dimap als auch die des ZDF-"Politbarometers" sehen die CSU in Bayern nur noch bei 47 Prozent. Vor fünf Jahren waren es noch 61 Prozent. Das würde nun gerade noch für eine absolute Mehrheit der Landtagsmandate reichen. Der Vorsprung auf die Oppositionsparteien beträgt nur 2 Prozent.

Die SPD kann indes aller Feierlaune zum Trotz kaum vom Einbruch der CSU profitieren. Sie liegt laut "Politbarometer" bei 20 Prozent. Die FDP liegt bei 9, Grüne und Freie Wähler bei 8 Prozent. Die Linke käme nicht in den Landtag.

Beim zum ersten Mal ausgetragenen TV-Duell zwischen Maget und Beckstein am Donnerstag war dem CSU-Ministerpräsidenten die Anspannung deutlich anzumerken. Er fabrizierte Versprecher, sagte etwa, die bayerische SPD wolle "die Grundschulen abschaffen", und wirkte auch bei seinen Kernthemen Wirtschaft und innere Sicherheit ungewohnt zaghaft und fahrig. Obwohl sein Widersacher Maget inhaltlich nur wenig an Konzepten entgegenzusetzen hatte, wirkte der SPD-Kandidat insgesamt abgeklärter und staatsmännischer.

Die CSU sieht sich trotzdem als Sieger des TV-Duells. Beckstein habe mit Inhalten gepunktet, meinte die CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer am Freitag. Und die schlechten Umfragen gäben nur die gegenwärtige Stimmung wieder. "Die meisten Menschen werde sich erst in den letzten 24 Stunden vor der Wahl entscheiden", so Haderthauer. Darauf sei der CSU-Wahlkampf nun ausgerichtet. Der Schwerpunkt der Kampagne zur Mobilisierung der eigenen Wähler liege in den letzten 72 Stunden vor dem Wahlsonntag. "Die Parteibasis steht so geschlossen wie lange nicht mehr", sagte Haderthauer. Wer jetzt versuche, Machtspielchen auf dem Rücken der Partei auszutragen, werde sofort isoliert.

Die Anspannung ist in der CSU jedenfalls zu spüren, auch beim Ministerpräsidenten. Beim TV-Duell wünschte der Moderator Sigmund Gottlieb beiden Bewerbern noch eine gute Stimme im Wahlkampfendspurt. Als der Abspann eigentlich schon lief, hörte man Günther Beckstein gerade noch sagen: "Stimmen wären mir wichtiger."

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