: Abpfiff bleibt Abpfiff
Der weise Volksphilosoph Armin Müller-Stahl
Kurz vor Toresschluss wird Armin Müller-Stahl von uns offiziell umgetauft – in Sepp Herberger: „Wenn der Abpfiff kommt, dann kommt er“, erklärte der Altinternationale des deutschen Schauspiels dpa zufolge am Mittwoch der Volkssportzeitung Superillu. Der 95-Jährige wollte damit ausdrücken, dass er dem unaufhaltsamen Tod gelassen entgegensieht. Sein locker aus der Hüfte geschossenes Bonmot hat allerdings in seiner Schlichtheit eine hochwertige Qualität, folgt es doch der volksphilosophischen Tradition, einfache Wahrheiten in einfache Worte zu fassen. Der Fast-Hundertjährige tritt damit die legitime Nachfolge des legendären Bundestrainers Herberger an, der mit eisenharten Weisheiten wie „Der Ball ist rund“ oder „Ein Spiel hat 90 Minuten“ den deutschen Sprachschatz bereicherte und die Kunst, Simplizitäten zu versimpeln, auf die Spitze der Nadel im Heuhaufen trieb. Armin Müller-Stahl sei es gewünscht, den Abpfiff noch lange hinauszuzögern, damit ihm noch mehr weise Geistesblitze einfallen. Oder wie der verkopfte Fußballgelehrte Christoph Daum einmal sagte: „Wenn der Kopf richtig funktioniert, dann ist er das dritte Bein.“
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