5 dinge, die wir in dieser woche gelernt haben:
1 Klopp wird noch nicht Kanzler
Er war schon sehr nah dran. Als sich der Fußball-Bundestrainer der Männer bei Amtsantritt ungewohnt politisch äußerte und mit klarem Bezug auf die AfD sagte, er wolle „die Fahne zurückholen“, „den Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen“ und für ein Land eintreten, das „offen und vielfältig“ sei, wurde Jürgen Klopp sofort mit Friedrich Merz verglichen und als deutlich talentierter eingeschätzt. Doch leider werden auch die idealsten Nachfolgekandidaten an ihren Ergebnissen gemessen, weshalb die Plädoyers für einen Kanzler Klopp nach seinen ersten vier Spielen mit nur einem Sieg wieder etwas leiser wurden. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Klopp bleibt auf jeden Fall im Rennen – mindestens als neuer SPD-Chef.
2 Pistorius kann singen
Deutlich später als Klopp, aber immerhin direkt nach der Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt kam auch Boris Pistorius auf die Idee, im Kampf gegen rechts Flagge zu zeigen und „die Farben der freiheitlichen Deutschen“ hochzuhalten. „Wir werden uns von den Rechtsextremisten und den Faschisten Schwarz-Rot-Gold niemals nehmen lassen“, rief der neue Demokratieverteidigungsminister und sang der SPD-Fraktion die Nationalhymne vor. Spontaner Gefühlsausbruch oder eine Bewerbung für den Parteivorsitz? Das ließ der stimmkräftige Sänger offen.
3 Merz hisst die falsche Flagge
Auch der Noch-Kanzler sprach in dieser Woche über Fahnen. „False-Flag-Operationen gibt es nicht nur militärisch, die gibt es auch politisch“, erklärte Merz, womit er aber nicht Klopp oder Pistorius meinte. Er deutete damit an, dass mutmaßlich linke Abgeordnete in Sachsen-Anhalt heimlich für den AfD-Landtagspräsidenten gestimmt haben könnten, nur um die CDU hinterher in ein schlechtes Licht zu rücken. Tja. Auch absurde Ablenkungsmanöver gibt es nicht nur militärisch.
4 Berlin löst Nahostkonflikt
Welche Flaggen in Berlin geschwenkt werden dürfen, wird wohl auch künftig umstritten bleiben. Dabei haben sich Linke, SPD und Grüne nun auf Regeln zum Umgang mit Antisemitismus geeinigt. Die taz titelte frohgemut: „Berlin löst Nahostkonflikt“. Man wird ja noch träumen dürfen.
5 Nichts bleibt geheim
Was sich die Berliner VerhandlerInnen genau versprochen haben, wer wirklich für den AfD-Mann in Magdeburg gestimmt hat und warum Klopp lieber den Ersatztorwart des FC Bayern als den Stuttgarter Superstürmer Deniz Undav aufstellt? Irgendwann werden wir alles erfahren. Wenn ein Ex-BND-Chef wegen Landesverrats auffliegen kann, ist kein Geheimnis sicher. (lkw)
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