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Wie geht’s? – Muss! Nur eine kurze Frage?

Worte haben Macht sagt man, aber wie viel Macht tatsächlich, erfahren wir in der taz lab Kolummne #2. Verwirrt und erstarrt ringt unsere Autorin hier um die Antwort auf eine scheinbar einfache Frage.

Alle Prozesse im Kopf kommen zum Stillstand Foto: pixarbay

taz lab | Auf „Wie geht’s?“ lässt sich ja viel antworten. Aber kennt jemand eine wirklich gute und halbwegs natürliche Antwort auf „Was geht?“. Ich verwende diese Begrüßung selbst nie und habe keine Ahnung, was andere Menschen antworten. Ich weiß nur, dass ein an jeder möglichen Stelle platziertes „Was geht?“ mein Gehirn sofort in den Freeze schickt.

Brainfreeze!

Wenn ich eine Superbösewichtin wäre, die gerade dabei ist, den großen roten Weltzerstörungsknopf zu drücken, man müsste mir nur zurufen: „WAS GEHT???“, und alle Prozesse in meinem Kopf würden zum Stillstand kommen.

Ich würde wie ein Reh im Scheinwerferlicht schauen, die Hand noch über dem roten Knopf, aber auf der verzweifelten Suche nach einer angemessenen Reaktion, einer Antwort, einer Geste, einer Gegenfrage. Mein superböser Weltzerstörungsplan, jahrelang akribisch ausgeheckt, wäre mit einer einzigen Frage nach meinem Wohlbefinden zerstört.

Ich drehe den Spieß um

Könnte wiederum auch ich damit die Macht haben, Leute erstarren zu lassen? Ich würde ohne Ticket fahren, der Kontrolleurin ein lässiges „Was geht?“ zuwerfen und an der nächsten Haltestelle aussteigen. Wenn sich mir nachts unheimliche Gestalten nähern, wenn jemand kurz vor mir die Toilette erreicht, wenn meine Mutter schon vor dem Frühstück versucht, ein Gespräch zu beginnen, wenn der Securitymensch versucht, mich von der Eislaufbahn zu tackeln, nachdem die letzte Runde ausgerufen wurde. Ich würde ihnen allen zurufen: „WAS GEHT?!“

Und dann würde jemand zurückrufen: „Ein Hund!“, und ich würde wieder verdattert und entwaffnet dastehen, mit großen Augen und leerem Kopf.