PASCAL BEUCKER ÜBER DIE TRICKS DES BAHNMANAGEMENTS

Der notwendige Streik

Wenn in diesem Konflikt jemand überzieht, dann der Vorstand der Deutschen Bahn

Jetzt langt die Lokführergewerkschaft GDL richtig zu. Eine ganze Woche Streik. So lange wie noch nie in der Geschichte der Deutschen Bahn. Haben die denn noch alle Tassen im Schrank?

Die Antwort hängt davon ab, wer mit dieser Frage gemeint ist. Die mediale und die reale Wut der Fahrgäste sollte sich nämlich besser gegen den Bahnvorstand richten. Denn wenn in diesem Konflikt jemand überzieht, dann sind es diese fünf Herren und eine Dame.

Der Bahnvorstand trickst und täuscht. Er gibt vor, mit der GDL und der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) gleichberechtigt zu verhandeln, setzt aber nur auf eine Einigung mit der als zahm geltenden EVG. Sonst hätte er sich nicht darauf beschränkt, beiden nur eine prozentuale Lohnerhöhung anzubieten. Im Gegensatz zur EVG fordert die GDL zusätzlich eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit und eine Begrenzung der Überstunden. Das ignoriert die Arbeitgeberseite stur.

Dem Bahnvorstand geht es nicht um eine Verständigung, sondern um Unterwerfung. Entweder die GDL gibt klein bei – oder sie wird per anstehenden Tarifeinheitsgesetz klein gemacht. Was bleibt da der Lokführergewerkschaft anderes als der Streik?

Die Kosten, die der Bahn durch die Kamikazestrategie ihres Führungspersonals bislang entstanden sind, belaufen sich auf rund 200 Millionen Euro, den neuesten Ausstand noch nicht mitgerechnet. Statt über Einschränkungen des Streikrechts nachzudenken, sollte endlich darüber diskutiert werden, wie Manager für den Schaden, den sie vorsätzlich anrichten, in Regress genommen werden können. Das würde den Bahnvorstand sicherlich kompromissfähiger machen. Was nicht nur den Bahnbeschäftigten, sondern auch uns Bahnkunden zu wünschen wäre.

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