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Die ständig verfügbare der erneuerbaren Energien: die Geothermie

Am 1. Juni beginnt in Bonn die Internationale Konferenz für erneuerbare Energien – „Renewables 2004“. Regierungsvertreter aus 150 Staaten wollen einen Aktionsplan beschließen. Ziel ist, ab dem Jahr 2050 die Hälfte des Weltenergieverbrauchs aus regenerativen Quellen zu decken. In ihrer Serie erklärt die taz, welche Quellen und Potenziale es gibt.

Sie ist die verlässlichste aller erneuerbaren Energiequellen: Die Geothermie ist die in Form von Wärme gespeicherte Energie unterhalb der Erdoberfläche. Im oberen Erdmantel herrschen Temperaturen von circa 1.300 Grad Celsius, die zur Gewinnung von Wärme und Elektrizität genutzt werden können.

Führt man bei einer Bohrung zwei miteinander verbundene Sonden in die Erde und lässt in ihnen Wasser zirkulieren, kann es sich in der Tiefe erwärmen und dann die Energie aus bis zu etwa 5.000 Metern an die Erdoberfläche befördern. Es muss aber gar nicht so tief sein: Um Eigenheime und Wasser zu erwärmen reichen in Gebieten mit einer besonders heißen Erdoberfläche wie Island oder Neuseeland Bohrungen von gut 100 Metern aus. Oder die Natur liefert selbst das notwendige Zirkulationssystem – zum Beispiel Thermalquellen. Die Energie wird aber nicht nur zu Heizzwecken genutzt. Auch Strom kann durch einen Dampfkraftprozess gewonnen werden.

Nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur deckt Geothermie derzeit rund 2 Prozent des Energieverbrauchs der OECD-Staaten. Am stärksten nutzt Island die Geothermie: Dort können so praktisch alle Privathaushalte mit Strom und Wärme versorgt werden. Auch Neuseeland nutzt die Erdwärme stark. Die Schweiz verfügt über das weltweit dichteste Netz von Erdwärmesonden. Durchschnittlich steht dort auf jedem zweiten Quadratkilometer eine.

Der wesentliche Vorteil gegenüber anderen erneuerbaren Energien: Geothermie hängt nicht von Klimaverhältnissen oder der Jahres- oder Tageszeit ab, sie ist immer verfügbar. Nirgends ist das Verhältnis von produziertem Strom zu installierter Leistung so groß. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Geothermie-Kraftwerke wenig Platz beanspruchen und kaum sichtbar sind. Nachteile sind die teuren Bohrungen und die aufwendige Erschließung, die oft ein großes wirtschaftliches Risiko birgt. Es kann sein, dass Reservoirs wegen unerwartet harter Gesteinsschichten nicht ausbeutbar sind.

Zur Nutzung des Erdwärme-Potenzials auf der ostafrikanischen Platte übernimmt deswegen zum Beispiel die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau das Risiko mittels eines Risikogarantiefonds. Diese Initiative wird auch die Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit, Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), auf der Konferenz Renewables 2004 präsentieren.

Im Vergleich zum weltweiten Energiebedarf ist das Potenzial der Geothermie riesig. Es fehlt nicht an Energie, sondern an der Technologie zu deren Nutzung. Bisher liefert Geothermie nur einen Bruchteil des weltweiten Bedarfs an Energieleistung. Theoretisch könnte sie ihn decken.

MICHAELA KRAUSE