chronik der lorenz-entführung (1-2)

27. Februar 1975: Um kurz nach neun startet die größte Fahndungsaktion Westberlins. Soeben ist der CDU-Politiker Peter Lorenz im Quermatenweg in Zehlendorf gekidnappt worden. Die Täter hatten seinen schwarzen Dienst-Mercedes nach einem vorgetäuschten Auffahrunfall in ihre Gewalt gebracht. Wenige Monate zuvor war der Kammergerichtspräsident von Drenkmann bei einer versuchten Entführung erschossen worden.

Die Stadt ist in Aufruhr. Drei Tage später sind Abgeordnetenhauswahlen. Lorenz ist Spitzenkandidat der CDU. Der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz (SPD) erklärt den Wahlkampf für beendet und setzt einen Krisenstab ein. Auch in der Bundeshauptstadt Bonn gibt es einen solchen Stab. Die Polizei hat keine Ahnung, dass Lorenz in der Schenkendorfstraße 7 in Kreuzberg im Keller eines Trödelladens gefangenen ist.

28. Februar 1975: Am zweiten Tag geht das Schreiben mit dem Foto „Peter Lorenz, Gefangener der Bewegung 2. Juni“ ein. Zur Hauptforderung wird „die Freilassung der politischen Gefangenen“ Verena Becker, Ina Siepmann, Rolf Pohle, Gabriele Kröcher-Tiedemann, Horst Mahler und Rolf Heißler erhoben. Mahler lehnt ab. In Bonn setzt Schütz mit Unterstützung von CDU und CSU durch, den Entführern nachzugeben. Das Ultimatum wird deshalb verlängert.

2. März 1975: Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus legt die CDU von 38,2 (1971) auf 43,9 Prozent zu. Sie wird erstmals stärkste Partei in Berlin. Der Wahlsieger verfolgt das Ergebnis zusammen mit seinen Entführern vor dem Fernseher. Die SPD verliert die absolute Mehrheit. Schütz muss künftig eine Koalition mit der FDP bilden.

4. März 1975: Am Morgen ist es so weit: In Begleitung des früheren Regierenden Bürgermeisters, Pastor Albertz, werden die Gefangenen von Frankfurt am Main in einer Boeing 707 der Lufthansa in die Volksrepublik Jemen geflogen. Es ist das erste und einzige Mal, dass deutsche Politiker einer solchen Forde- rung nachgeben und so das Leben einer Geisel retten. Bei späteren RAF-Aktionen heißt es knallhart: Der Staat ist nicht erpressbar. In der Nacht vom 4. zum 5. März kommt Lorenz frei.

25. April 1975: Ein „Kommando Holger Meins“ besetzt die deutsche Botschaft in Stockholm. Die Forderung lautet: Freilassung von 26 Gefangenen, darunter der Führungsriege der RAF – Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Jan-Carl Raspe und Gudrun Ensslin. Zwei Diplomaten werden erschossen. Zwei RAF-Mitglieder sterben, als ein selbst installierter Sprengsatz explodiert. Das Botschaftsgebäude wird von schwedischen Sicherheitskräften gestürmt.

Ende April 1975: In Berlin läuft die Fahndung nach den Lorenz-Entführern auf Hochtouren. Nach längerer Observation einer Garage in Tegel werden Gerald Klöpper und Ronald Fritzsch verhaftet. Till Meyer wird im Juni auf dem U-Bahnhof Yorckstraße zufällig von zwei Kripobeamten erkannt. Seiner Begleiterin gelingt es, zu flüchten.

Herbst 1975: Nach Observation eines Ladens in Steglitz werden Ralf Reinders, Inge Viett und Juliane Plambeck am 9. September gefasst, im November Gabriele Rollnick und Fritz Teufel.

Frühjahr 1976: Auch Andreas Vogel kommt in Haft.

Herbst 1980: Nach zweieinhalb Jahren endet der so genannte Lorenz-Drenkmann-Prozess mit Haftstrafen zwischen 5 und 15 Jahren.

Dezember 1987: Peter Lorenz stirbt kurz vor seinem 65. Geburtstag an Herzversagen. PLU