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Wenn das Bier endlich furchtbar schmeckt

Gott sei Dank, das Bier schmeckt scheiße! Man hatte sich schon Sorgen gemacht, am Ende doch zu den „aromatisch Blinden“ zu gehören, die sich laut Seminarleitung immer mal wieder auf diese Veranstaltungen verirren. Angewidert, aber erleichtert, nehme ich noch ein Schlückchen vom präparierten Pils und notiere meine Eindrücke: „Faule Eier“ und „Hundefurz“. Beide Assoziationen tauchen später auch in den Protokollen der etwa 30 anderen Teil­neh­me­r:in­nen des Braukurses wieder auf. Häufiger sind nur die Einschätzungen „Käsefuß“ und „Kotze“.

Sinn dieser Veranstaltung ist aber nicht, die eigenen Ekelgrenzen auszuloten, sondern handfeste Fehler beim Brauen zu erkennen und vermeiden zu lernen. Schmeckt das Bier etwa nach Pappmaché, ist das ein ziemlich sicheres Zeichen für Oxidation im Brauprozess. Die hundefurzige Isovaleriansäure hingegen spricht für überlagerten Hopfen.

Nebenan bereitet die Helferin auch schon die nächste Probe vor. Sie riecht an der Ampulle, die sie gerade in den Messbecher voller Bier entleert hat, würgt kurz – und lacht dann wieder. Sie trinkt hier ja auch nicht mit.

Diepholz

17.648 Ein­woh­ner*innen.

Die nie­dersäch­sische Kreisstadt ist berüchtigt für den Gestank einer nahen Tierfrischmehlfabrik. Auch die Güllenoten des Umlands schaffen es bisweilen bis in den städtischen Kernbereich. Für den Schweißgeruch des Bieres kann die Stadt aber nichts. Den haben wir selbst reingegossen.

Jan-Paul Koopmann