wortwechsel: Am Frühstückstisch: der Griff ins Leere
Viele vermissen die Print-taz. Und Wachstum kann nicht die Lösung sein für die Zukunft. Wirtschaft und Politik sollten ein menschenfreundliches, gerechtes Miteinander gestalten.
Menschlichkeit im Mittelpunkt
„Ohne Wachstum geht’s schneller Richtung Autoritarismus“,
wochentaz vom 1. 11. bis 7. 11. 25
WIR haben sehr wohl Visionen: von einem Gemeinwesen, das nicht Wachstum, sondern Menschlichkeit, Selbstbestimmung und ökologische Verantwortung in den Mittelpunkt stellt. Ich wünsche mir ein weiteres Gespräch mit Prof. Fuchs-Schündeln – diesmal nicht über das vermeintliche Fehlen von Visionen, sondern über die zugrundeliegende Annahme, dass Menschen in ökonomische Systeme eingepasst werden müssen zum Nutzen nur weniger.
Ich denke Prof. Fuchs-Schündeln ist eine kluge Frau, deshalb würde ich gern die Frage von ihr durchdacht wissen: Warum halten wir an sichtbar unfunktionalen Strukturen fest, die Menschen zur umfassenden Erwerbsarbeit drängen, statt umgekehrt Wirtschaft und Politik für ein menschenfreundliches, gerechtes Miteinander zu gestalten? Ein solches Gespräch wäre eine echte Einladung zur Zukunft.
Sascha Hübner
Problem Erderwärmung
Weil Wachstum durch Erderwärmung keine Option mehr ist, haben die liberalen Demokratien keine Zukunftsvision mehr. Dieses Resümee ziehen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey aus Basel in ihrem jüngsten Buch „Zerstörungslust, Elemente des demokratischen Faschismus“. Fehlende Zukunftsvision beklagt auch Nicola Fuchs-Schündeln. Sie hält aber an der Wachstumsforderung fest. Zu den Folgen der zunehmenden Erderwärmung sagt sie nichts. Ohne Energiezufuhr ins System hat noch niemand Wachstum ermöglicht.
Das Thema Wachstum könnte in der gedruckten taz zum Hauptthema der nächsten 5 Jahre werden. Der CO2-Pegel in der Atmosphäre steigt z. Zt. um 3,9 ppm pro Jahr. In 7 Jahren werden 450 ppm, die Grenze für 2 Grad Erderwärmung überschritten. Das ist der Bereich, in dem Kipppunkte zu befürchten sind. Können Wachstumsraten das ausgleichen?
Klaus Warzecha, Wiesbaden
Wachstumsideologie
Die interviewte Volkswirtin forscht zu Ungleichheit. Die Beseitigung von Ungleichheit ist ein sinnvolles Ziel. Besonders scheinen ihr die ungleichen Chancen von Frauen im Wirtschaftsleben am Herzen zu liegen. Da kann man nur zustimmen. Aber dann der Lösungsvorschlag: Wachstum! Wirklich? Das liest sich wie im Wahlprogramm von CDU oder FDP.
Die Ursache von Armut und Ungleichheit ist doch der Kapitalismus und die Wachstumsideologie. Diese Ideologie besagt, dass Wachstum allen nützt. Zwar den Reichen am meisten, aber das tröpfelt dann durch bis zu den Armen. Diese Theorie ist längst widerlegt. Die einzig sinnvolle Lösung zur Bekämpfung von ungleichen Chancen und ungleichen Vermögen ist Umverteilung. Kann sein, dass das nicht jeden AfD-Wähler auf Anhieb überzeugt.
Ich möchte übrigens die beiden InterviewerInnen loben, die in den ersten beiden Fragen bereits die Notwendigkeit von Wachstum hinterfragt haben. Leider konnte Frau Fuchs-Schündelen das so gar nicht nachvollziehen oder überhaupt als Option in Erwägung ziehen. Für sie scheint unendliches Wachstum ein Naturgesetz zu sein. Welch Irrtum!
Adam Romoth, Starnberg
Analoge Absurdität
„Kleine Akte des Nonkonformismus“,
wochentaz vom 25. 10. bis 31. 10. 25
Die Autorin steht also eine halbe Stunde frierend und hungrig vor einem Restaurant, in dem sie verabredet ist, und kommt nicht eine Sekunde auf die Idee, reinzugehen? So ganz analog. Einfach selber gucken. Stattdessen beklagt sie, dass ihre Freundin kein Handy hat – und geht wieder!? Und die Absurdität ihres eigenen Verhaltens ist ihr offensichtlich nicht mal beim Schreiben des Artikels aufgefallen. Das finde ich wirklich verstörend.
Birgit Gall, Hamburg
Warten im Dunkeln
„Kleine Akte des Nonkonformismus“ ,
wochentaz vom 25. 10. bis 31. 10. 25
Sie warten und stehen länger als 30 Minuten hungrig und durchgefroren in der zunehmenden Dunkelheit vor der Eingangstür des Italieners um die Ecke. Drinnen wartet länger als 30 Minuten ihre Bekannte in einer hinteren Ecke des Restaurants.
Wie ist es möglich, dass Sie nicht auf die Idee gekommen sind, dass Ihre Bekannte vielleicht ebenfalls früher als verabredet eingetroffen ist und eventuell in einer Ecke sitzt, sprich: mal langsam durch das Restaurant gegangen sind, um nachzusehen? Wie ist es möglich, dass Ihre Bekannte nicht auf die Idee gekommen ist, dass Sie vielleicht draußen auf Sie warten? Sie schreiben „Und wir konnten uns nicht verständigen.“ – Das verstehen Sie vielleicht gar nicht, warum mir das unbegreiflich ist. Karin Cohrs
Der Griff ins Leere
„Seitenwende“,
Liebe Redaktion, die ersten zwei Wochen ohne gedruckte taz liegen hinter mir; und es war härter, als ich gedacht habe. Ich bezog mein Exemplar über einen benachbarten Kiosk und konnte es dann beim Frühstück (ich bin Rentner) lesen. Mehrmals habe ich mich beim Griff an die Stelle erwischt, an der die taz normalerweise liegt: Der Griff ging ins Leere. Na klar, „Internet gucken“ (Max Goldt) mache ich seit Langem und intensiv. Aber auch in Zukunft: Nicht beim Frühstück.
Und wenn ich die taz-Seite im Internet aufrufe, und Artikel finde, die mich interessieren, treibt mich immer das (seltsame) Gefühl: Das würde ich jetzt gerne in der taz lesen … Die Inhalte der taz, der besondere taz-Humor, die Positionen der taz, die Akzentsetzung bei den Themen: Alles noch da. Im Internet. – Aber die taz ist nicht mehr da. Und die Wochen-taz: Ich bin erstaunt, wie schnell die sich durchliest. Bernd Flossmann, Stade
taz-Wecker bauen?
„Seitenwende“,
Liebe taz-Genossinnen und -Genossen, es ist inzwischen einiges zur Seitenwende geschrieben worden – auch Positives. Ich bin nun bei mir auf eine persönliche Beeinträchtigung gestoßen, die bislang noch nicht zu lesen war und mit der ich auch nicht gerechnet hätte. Morgens lese ich routinemäßig die regionale Tageszeitung und abends sehr spät las ich ausgiebig die taz. Doch nun plötzlich, seitdem die taz nicht mehr auf dem Tisch liegt, habe ich bereits an zwei Tagen die taz-Lektüre vergessen. Nun überlege ich, mir eine Art taz-Wecker zu bauen, oder eine Programmierung im Handy auf 24:00 h mit der Abfrage: „Taz schon gelesen? – Sonst geht’s nicht zu Bett!“
Oder habt Ihr noch eine zündendere Idee? Bernd Münk
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