: Wenn die einen laut und die anderen lauter sind
Ich stehe am Eingang des Grüneburgparks in Frankfurt. Links von mir schreien Klimaaktivist*innen aus dem System Change Camp: „CDU Rassistenpack“. Rechts von mir versucht eine CDU-Politikerin, sich mit einer neongrünen Trillerpfeife Gehör zu verschaffen. Sie steht hier bei einer Infoveranstaltung gegen das Klimacamp. Neben ihr hält eine Frau ein Plakat mit Fotos von den israelischen Geiseln in die Höhe. Einer der Vorwürfe gegen die Klimaaktivist*innen: Antisemitismus. Doch dabei bleibt es nicht: „Aus Naturschutzsicht falsch!“, sagt ein Mann vom Grünflächenamt. „Frankfurt geht unter!“, ruft ein anderer. „Die sind doch friedlich!“, eine Frau am Rand. „Was fordern die Aktivisten denn?“, fragt eine Journalistin. „Ausreden lassen!“, schreit die CDU-Frau.
„Wie im Kindergarten hier“, murmelt die Frau neben mir belustigt. Und von der Camp-Seite her schallt es: Say it loud! Say it clear! Refugees are welcome here!“
Frankfurt-Westend
30.360 Einwohner*innen.
Das Westend gilt als Stadtteil mit bürgerlichen, gutsituierten Einwohnern. Die Immobilienpreise liegen hier nochmal ein gutes Stückchen höher als der Durchschnitt im eh schon hochpreisigen Frankfurt.
So wie die Liveversion einer Twitter-Kommentarspalte fühlt sich die Situation hier am Park an. Viel Meinungschaos, wenig Fokus und Zuhören. Eher eine vertane Chance auf Verständigung. Charlotte Kranenberg
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