piwik no script img

herzensortWie soll ich Tschüss sagen?

Die Tür zur Wohnung, in der ich aufgewachsen bin, kann ich bald nicht mehr aufschließen. Meine Eltern ziehen aus meinem Zuhause aus. Also atme ich diesen Zuhausegeruch aus Sisalteppich und angebratenem Knoblauch beim Betreten des Flurs extra tief ein.

Wenn ich meine Füße im Sommer ein letztes Mal ins Meer halte, winke ich zum Abschied und rufe „bis bald“. Aber das geht in diesem Fall nicht, bald wohnt hier eine andere Familie. Wie soll ich also Tschüss sagen?

Ich möchte mit meinem Bruder noch einmal Milchreis aus der Tüte kochen, der uns damals so oft angebrannt ist. Die Küchentür zuknallen, sodass sich der durch meine pubertären Wutanfälle entstandene Riss noch ein Stück weiter zieht. Und vielleicht noch eine auf dem Balkon rauchen, auf dem ich an meinen ersten Zigaretten zog?

Als ich noch Zuhause wohnte und nachts oft nach ein paar Bier zu viel wiederkam, änderte mein Vater irgendwann den Code an der Haustür in mein Geburtsjahr. So wollte er sichergehen, dass ich in jedem Zustand in mein Bett finde. Immerhin diese vier Ziffern bleiben. Sophie Fichtner

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen