piwik no script img

berliner szenenDie Hügel der Hasenheide

Nie weiß ich, was mich auf dem Gipfel erwartet. Als Aller­erstes nehme ich die Abkürzung durch das, was ich das „Zaubertor“ nenne. Das ist eigentlich kein Tor, sondern eine Art Bogen aus Ästen und Blättern, der am Bergabhang steht. Ich bin jedes Mal davon überzeugt, dass es mir, wenn ich dort durchgehe, die Kraft ver­leihen wird, die ich brauche, um den Berg ­hochzulaufen.

Bis vor einem Jahr, als ich mit dem Laufen anfing, wusste ich nicht, dass der Volkspark Hasenheide so eine Anhöhe besitzt. Sie ist nicht so hoch wie der Berg vom Viktoriapark, der Kreuzberg seinen Namen gibt, doch wenn die Bäume kahl sind, reicht die Sicht von der Hasenheide bis zum Südstern. Mittlerweile ist der Berg das Highlight meiner Laufstrecke, zusammen mit dem Rhododendrongarten, den ich vor Kurzem entdeckte und der nach Wald riecht.

Nie aber weiß ich, was ich auf dem Gipfel vorfinden werde. Manchmal sind es andere Jog­ger*in­nen, die die im Kreis stehenden Betonpoller als Dehnungsstationen nutzen. Oft werden sie auch als Sitzplätze gebraucht. Im Sommer schlafen dort manchmal obdachlose Menschen und frühmorgens brennt noch ein Lagerfeuer, es wird noch gefeiert und getanzt oder Müll gesammelt. Einmal sah ich eine Gruppe Se­nior*in­nen Yoga machen. Ein anderes Mal begrüßten mich aus der Ferne drei Sterni trinkende Punks, als würden sie von einem anderen Planeten winken. Ich winkte zurück und lief außer Atem nach unten weiter.

Meistens bin ich da oben allerdings alleine. Ich habe schon Scherben und Bierdeckel gesehen, die in der Sonne auf dem Boden ­leuchteten, als wären sie Muscheln und Steine am Strand. Im Moment aber sind es noch gelbe, orangefarbene und rote ­Blätter, die den ganzen Berg bedecken.

Luciana Ferrando

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen