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Wenn man im Urlaub kein Geld für eine Kugel Eis hat

Nieblum,

590 Einwoh-ner*innen.

Das Dorf auf der Insel Föhr schaut sich hübsch. Es wurde 1979 zum schönsten Dorf der Bundesrepublik Deutschland gewählt.

Darf ich Ihnen das Eis kaufen?“, fragt mich die Frau in der Schlange vor mir. Eben hatte ich ihr erzählt, dass ich keine 10 Euro mehr habe und damit – bei vollem Kühlschrank – zwei Urlaubstage bestreiten muss, bis hoffentlich meine Bankkarte im Briefkasten der Föhrer Ferienwohnung liegt. Ohne Karte hätte das Abheben Gebühren gekostet. „25 bis 50 Euro und Ihre Bank hätte auch welche genommen“, so die Auskunft in der Sparkasse in Wyk. Das war mir zu teuer.

Jetzt stehe ich also Münzen zählend vor dem Nieblumer Eisladen, wo ich den Kindern die Radtour versüßen wollte, und sehe nur Schilder, die Eistüten für 5 Euro offerieren – weshalb ich die Frau nach dem Preis für eine Kugel gefragt hatte. Zum Glück war ich nicht in Tränen ausgebrochen so wie in der Apotheke, als ich den Preis für eine Salbe erfuhr.

Es ist ein Scheißgefühl, ohne Geld dazustehen, im Supermarkt nicht bedenkenlos den Wagen vollladen, den Kindern nichts kaufen zu können. „Das Gefühl kenne ich gut“, sagt mir später eine Freundin, alleinerziehende Ausländerin, die in Deutschland nicht in ihrem Beruf arbeiten kann. „Und wenn du wirklich arm bist, spendiert dir niemand ein Eis.“ Eiken Bruhn

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