: Führer mit Falten
Kremlastrologen der Wahrheit fast erschüttert
Erschrocken, ja fast ein wenig erschüttert waren wir, als wir am Dienstag das Foto der Nachrichtenagentur AP betrachteten, das den russischen Präsidenten Wladimir Wladimirowitsch Putin bei einem Termin im Kreml am Montag zeigte: So lustlos, beinah bekümmert, ja fast schon melancholisch hatten wir alten Kremlastrologen den neuen Zaren noch nie gesehen. Den sonst so eiskalten Blick auf eine unscharfe Ferne gestellt. Die hohe Stirn des gewöhnlich ausdrucksarmen, teigigen Gesichts in tiefe Sorgenfalten gefurcht. Die einst kraftvolle Gestalt nicht mehr straff, sondern kaum merklich zusammengesunken im Arbeitsstuhl, als ob eine große Last auf den immer zarter wirkenden Schultern des Herrn aller Reußen liegt. Als ob das Kriegführen schon gar keinen Spaß mehr macht. Als ob die Erfolgserlebnisse fehlen bei der anstrengenden Arbeit als Weltenlenker. Die man immer nur macht für andere, nur für andere, nie für sich selbst. Und wer dankt es einem? Niemand! Alle mäkeln und mosern tagein, tagaus an einem herum. Und niemals wird man gelobt. Wie das eben so ist, in diesem ganz normalen Alltag im Leben eines brutalen und blutigen Schlächters.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen