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Wenn selbst die letzte Warnung nicht hilft

Rendsburg,

28.980 Ein­wohner*innen.

Die Schiff­begrüßungs­anlage am Nord-Ostsee-Kanal direkt an der Rends­burger Hoch­brücke kann 220 Na­tio­nal­hymnen spielen. Auch die des Vatikans.

Hör’n mich alle?“, knarzt die Stimme aus den Lautsprechern, die neben der Schiffbegrüßungsanlage bei der Kanalbrücke in Rendsburg angebracht sind.

Normalerweise sagt der Mann mit der Knarzstimme die Schiffe an, die den Nord-Ostsee-Kanal passieren, dann wird die Hymne des Landes gespielt, unter dessen Flagge das Schiff fährt. Die Schiffsbesatzungen grüßen meist mit einem langen Tröööt zurück.

An die Begrüßungsanlage ist ein Café angeschlossen, an diesem warmen Tag sind viele der Tische am Kanal besetzt und der Parkplatz vor der Tür ebenfalls.

Und um den Parkplatz geht’s: „Der rote Wagen vor dem Eingang muss weg!“, knarzt der Mann. „Wenn in drei Minuten nichts passiert, machen wir das.“

Zeit vergeht, der Wagen steht. Zwei Männer in Warnwesten treten aus dem Lokal und mustern das störende Auto. „Die sind unterwegs“, mutmaßt der eine.

„Pech“, meint der andere.

Beide gehen wieder hinein. Gleich darauf knarzt die Stimme wieder: „Letzte Warnung!“

Kurz darauf rollt der Abschlepper an.

Esther Geißlinger

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