das wetter: Der Ekel
Die Zeitung zahlte mäßig, die Zahlen auf dem Konto waren meist rot, dieser Tage hatten sie sich geschwärzt, zum ersten Mal seit Langem. Die Menschen in der U-Bahn atmeten schwer unter den Hüllen, die sie sich aufgeladen hatten: Schals, Handschuhe, Mützen, Masken, Kopfhörer. Winterjacken aus Daunen, aus Wolle, aus Fellimitat, aus Polyacryl, darunter mehrere Textilschichten von Pullovern über Hemden und T-Shirts bis hin zur Unterwäsche. Es war kurz vor Mittag, der Grad an Vernunft und Stille noch relativ hoch. Man ließ sich schaukeln, döste vor sich hin, checkte Kurznachrichten, spielte Jelly Splash, tinderte, träumte. Von anderen Dingen als denen, die sie erwarteten. Eine brünette Studentin mit Nasenstecker und umarmtem Rucksack las in einer aus der Stadtbibliothek geliehenen Ausgabe „Der Ekel“ von Sartre. Für diesen Tag die passende Lektüre.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen