das ding, das kommt

Frieden aus hartem Holz

Eichenholz von der Front des Ersten Weltkriegs haben Künstler:in­nen in „Friedenzeichen“ gegen Krieg verwandelt Foto: Friso Gentsch/dpa

Eichenholz, was sonst? Ein besonders hartes, besonders dauerhaftes Holz, das „in unseren Breiten legendär“ ist, wie das Internetportal Hausjournal.net es kurz und bündig fasst. Die Holzwirtschafter:in freut, dass es nur mäßig schwindet, unter Wasser fast unbegrenzt haltbar ist und dabei gut spaltbar und gut zu bearbeiten.

Der Nationalromantiker:in gilt die Eiche deswegen als „deutscher“ Baum und als Symbol steht das Eichenlaub dann konsequent für angeblich so deutsche Tugenden wie Standhaftigkeit und Treue. Kaum ein Orden, Hoheitszeichen oder Ehrenmal kommt „in unseren Breiten“ seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts ohne Eichenlaub aus, nicht mal die kleinsten Geldmünzen. Und auch die deutsche Nationalallegorie Germania umrankt meist eine Korona aus Eichenlaub.

In Osnabrück gilt all das natürlich auch. Aber in der selbst ernannten Friedensstadt wird ein Eichenholzklotz naturgemäß auch irgendwann zum „symbolhaften Friedenszeichen“. Es ist denn auch besonderes, nämlich im Ersten Weltkrieg „geschossverwundetes“ Eichenholz, das der Osnabrücker Künstler Volker-Johannes Trieb aus dem Frontgebiet von Hirtzbach im französischen Elsass erworben hat. Insgesamt 65 Tonnen Holz hat Trieb erworben – in der Maserung verletzt durch Granatsplitter und schwarz gefärbt durch die Reaktion der Gerbsäure der Eiche mit dem Metall der Munitionssplitter.

Damit daraus „zeitgenössische Kunst im Namen des Friedens“ und ein „mobiles Mahnmal“ werden konnte, wie Trieb es nennt, hat der Osnabrücker jeweils 30 Zentimeter große Holzquader an Künstler:innen „aus den kriegsführenden Unterzeichnerstaaten der Verträge von Versailles und der Pariser Vorortverträge“ geschickt, „zur freien textlichen respektive bildlichen Bearbeitung“. Bildende Künstler:innen sind darunter, Literat:innen, Filmemacher:in­nen, Musiker:in­nen und Bühnenkünstler:innen, durchaus namhafte wie der Deutsche Günther Uecker und der Franzose Christian Boltanski.

Das sieht dann etwa so aus wie bei dem Neuseeländer David McCracken: Aus dem Holzquader hat er Holzwolle gemacht, darauf eine bombenförmige Skulptur gelegt und das Ganze in eine Holzkiste gelegt – um Assoziationen an Waffen als Ware zu wecken, aber auch durch die Spielzeughaftigkeit der Bombe auf die Verniedlichung des Krieges in der Popkultur hinzuweisen.

Zu sehen waren die 31 Objekte schon im Deutschen Bundestag. Nun zeigt sie das Varusschlacht-Museum Kalkriese in Bramsche. Dann soll es ins UN-Hauptquartier nach New York gehen, danach ins EU-Parlament nach Brüssel. Robert Matthies

Ausstellung „Damals nicht, jetzt nicht, niemals!“: ab Sa, 30. 11., Bramsche, Varusschlacht-Museum Kalkriese; bis 16. 2. 20