heute in bremen

„Ich habe wenig Erwartungen an Politiker*innen“

Foto: Jan Zier

Frederike Oberheim, 20, Studentin und Aktivistin bei „Fridays for Future“

Interview Alina Götz

taz: Frau Oberheim, wie fühlt es sich an, den inzwischen vierten globalen Klimastreik mit „Fridays for Future“ (FFF) auszurichten?

Frederike Oberheim: Es ist eigentlich ein bisschen traurig, dass wir immer noch demonstrieren müssen. Hoffentlich kommen wir mit dem Tag heute dem Ziel einer klimaneu­tralen Welt etwas näher.

Ist es Zufall, dass die Demo am Black Friday stattfindet?

Black Friday war tatsächlich nicht die Hauptmotivation, sondern ist jetzt eher ein schöner Nebeneffekt. Es ging aber vielmehr um die Montag beginnende Weltklimakonferenz in Chile. Die chilenischen FFF-Gruppen haben sich gewünscht, dass wir im Vorfeld eine Großdemo machen.

Welche Erwartungen haben Sie an die Weltklimakonferenz?

Ich habe mittlerweile sehr wenig Erwartungen an Treffen von Politiker*innen. Ich vermute nicht, dass die sich auf revolutionäre Maßnahmen einigen werden. Aber so kurz vor Weihnachten kann man ja immer noch hoffen …

Worauf denn zum Beispiel?

Die Politiker*innen müssen sich erst mal um die Einhaltung des Klimaabkommens von Paris kümmern. Eine gewisse Verbindlichkeit und Sanktionen für die Staaten zu schaffen, die sich nicht daran halten, wäre wünschenswert. Bisher ist das Abkommen ein loses Versprechen.

FFF veranstaltet heute die Demo, eine Pressekonferenz und einen Wintermarkt – inwieweit würden Sie von einer Professionalisierung der Bewegung hier in Bremen sprechen?

Wir haben mittlerweile unsere Strukturen gefunden. Sehr viele Akteure greifen uns unter die Arme. Es gibt eine große Solidarität in der Gesellschaft, das vereinfacht das Ganze. Und wir haben inzwischen natürlich eine Routine in der Demoorganisation. Aber trotzdem machen wir das alles immer noch in unserer Freizeit.

Globaler Klimastreik Bremen, 10 Uhr, Bürger­weide;“Fridays for Future“-Wintermarkt, 16 Uhr, Altenwall

Was passiert auf dem Wintermarkt?

Eine positive Blockade: Wir wollen zeigen, was alles passieren kann und wie viel Raum frei wird in einer Stadt, in der keine Autos mehr fahren. Dafür blockieren wir den Altenwall.

Haben Sie noch Zeit zum Studieren?

Ich bin gerade in der Uni, also schon noch.