Thomas Mauch
hört auf den Sound der Stadt

Jedes Konzert riecht anders. Weil es halt einen Unterschied macht, ob man in einem großen und vorab vielleicht sogar gelüfteten Konzertsaal sitzt oder inmitten eines tanzenden und dabei fröhlich trans­pirierenden Pulks steht. Und noch einmal anders riecht es, wenn statt des den Platz vor der Bühne gut füllenden Pulks nur eine große Leerstelle gähnt, weil sich die wenigen versprengten Konzertbesucher sicherheitshalber am Tresen abgehängt haben. Vor ein paar Jahren lag so ein Konzert sowieso ganz anders in der Nase, weil da meist noch geraucht worden ist. Was man sich heute eigentlich kaum mehr vorstellen kann; wer unbedingt wissen will, wie sich das anfühlte, findet hier und da in kleinen Kellergrüften weiterhin die Gelegenheit.

Jedes Konzert hat also sein ganz besonderes Aroma. Dass man aber einfach der Nase nach seine Konzertentscheidung trifft, dürfte doch eher die Ausnahme darstellen.

Dass es dabei nicht bleiben muss, meint man bei Incense of Music, die mit multisensorischen Konzerten locken und jetzt mit dem Incense of Music Festival im Panda-Theater in der Kulturbrauerei vom heutigen Donnerstag bis Samstag gleich an drei Tagen konzentriert was für die Nasen und Ohren bieten (zuschauen darf man natürlich noch dazu). Zum Auftakt im ersten Set haben dabei Orange, Styrax, Ambra, Myrrhe, Opoponax, Sandelholz, Wacholder und Anis ihren Auftritt als Duftnoten, dazu spielen Dina Bolshakova das Cello und Bakr Khleifi die Oud. Und wie man bei dem Festival musikalisch von europäischer zur arabischen Klassik und dem Jazz und frei improvisierter Musik wechselt, spielt man sich auch durch die verschiedenen Düfte (Knaackstr. 97, jeweils 20 Uhr).

Mehr so ein klassisches Guck-und-horch-Konzert dürfte das Gastspiel vom Andromeda Mega Express Orchestra am Freitag im Aufsturz werden. Wobei schon interessant zu schauen sein wird, wie da eigentlich alle Mitglieder des recht umfänglichen Berliner Orchesters (das sich gar nicht entscheiden will zwischen Jazz, Neuer Musik und einem Irgendwie-doch-auch-Pop) überhaupt ein Plätzchen finden werden auf der nicht so groß bemessenen Bühne in dem Mitte-Club (Oranienburger Str. 67, 21 Uhr, 10/7 €).

Noch knapper bemessen geht es im Zukunft am Ostkreuz zu, wo am Dienstag mit den Decibelles aber eine Band spielt, der drei MusikerInnen reichen für einen gut scheppernden Punk ohne jede Punk-Borniertheit – auch wenn sich das Trio aus Lyon nicht gleich so einen Popmelodienhimmel gönnt wie, sagen wir mal, Blondie. Dafür wird hier in Französisch gesungen (Laskerstr. 5, 21 Uhr, 13 €).