die drei fragezeichen

„Weltraum ist Erbe der Menschheit“

Foto: Karin Desmarowitz/Die Linke

Fabio De Masi, 39, ist seit 2017 Bundestagsabgeordneter. Er ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linken

1taz: Herr De Masi, Sie haben die Bundesregierung über einen Weltraumbergbau und die Privatisierung der Rohstoffe im All befragt. Wie umkämpft ist der Weltraum?

Fabio De Masi: Momentan ist der Rohstoffabbau im All technologisch und wirtschaftlich noch nicht möglich. Aber es gibt Ankündigungen von Tesla, Amazon und anderen, sich zu engagieren. Die große Gefahr ist, dass sich das mit den Weltraumbergbaugesetzen, die in den USA und Luxemburg verabschiedet wurden, verstärkt. Wobei ich generell große Zweifel habe, dass sich der Rohstoffabbau im All ökologisch und wirtschaftlich rechtfertigen lässt.

2Was ist das Problem dieser Gesetze?Mit den Gesetzen wird gesagt: Wer Rohstoffe gewinnt, dem gehören sie auch. Das aber widerspricht dem Völkerrecht. Der Weltraum ist Erbe der gesamten Menschheit. Der Rohstoffabbau muss also allen Menschen dienen. Weltraumbergbau sollte – wenn überhaupt – nur unter Regie der Vereinten Nationen stattfinden.

3Gibt es auch in Deutschland Bestrebungen, ein solches Gesetz zu schaffen?

Die Regierung plant ein Weltraumgesetz noch für diese Legislaturperiode. Der Bund der Deutschen Industrie hat das auch gefordert. Das Gesetz soll Rechtssicherheit innerhalb eines internationalen Rahmens schaffen. Den gibt es aber nicht. Ich befürchte, zahlreiche Staaten werden auf Druck der Industrie in einen Wettlauf eintreten. Am Ende hätten viele Länder ihre eigenen Gesetze, und der internationale Rahmen käme nicht. Man muss verhindern, dass jeder loslegt, wie er will, und den Unternehmen einen Riegel vorschieben. Sonst entscheiden private Konzerne darüber, was im All passiert.

Interview: Julia Kitzmann