heute in hamburg

„Wir haben die Macht im Supermarkt“

Vortrag „Leere Meere? Weltweite Fischerei und die Folgen“: 19.30 Uhr, Greenpeace Hamburg, Hongkongstraße 10, Eintritt frei

Interview Katharina Gebauer

taz: Frau Bachert, wie fangen wir die arbeitslosen Fischer auf, die ohne Fisch ihren Job verlieren?

Svenja Bachert: Das muss Teil des Lösungskonzepts sein. Wir wollen kein Fischverbot, sondern fordern eine nachhaltige Fischerei, die Fischereigenossenschaften mit einbezieht. Große Fischereiflotten müssen dafür weniger gefördert und lokale Fischer gestärkt werden.

Welche Jobs in der Maschinerie Fischfang sind noch betroffen?

Ein nachhaltiger Fischfang würde eher dazu beitragen, Jobs zu schaffen. Momentan werden die großen Fangflotten subventioniert, die teilweise gar nicht vor Ort fischen, sondern an der Küste vor Westafrika etwa. Dies gilt es umgehend einzudämmen.

Was fordert eine nachhaltige Fischerei außerdem?

Es geht darum, keine viel zu große Menge zu fangen, die dann zu Überfischung führt. Fangzeiten sowie Schutzgebiete gilt es zu beachten, damit die Bestände sich zwischenzeitlich erholen können. Festgelegte Fangmengen dürfen nicht überschritten werden, gesunde Meere gibt es nur mit Einhaltung von Fangquoten.

Wäre Müll fischen statt Fisch fangen eine mögliche Alternative?

Mit dieser Idee haben wir uns bisher noch gar nicht auseinandergesetzt, ich stelle es mir aber schwierig vor. Viele Organisationen arbeiten an neuen technologischen Möglichkeiten, um den Müll aus dem Meer zu fischen. Das stellt sich als sehr schwierig heraus. Die Fischer haben zwar genauso wenig Interesse daran, dass der ganze Müll mit den Fischen im Meer herumschwimmt, manche sammeln Geisternetze mit auf. Bisher passiert das aber eher nebenbei, denn um diesem Problem Herr zu werden, braucht man eine andere Herangehensweise. Da braucht es ganz klar Verbote von Plastiknutzung durch die Politik.

Foto: Bente Stachowske

Svenja Bachert, 51, ist ehrenamtlich bei Greenpeace Hamburg aktiv.

Sind Aquakulturen nachhaltige Alternativen?

Nur zum Teil, denn in der jetzigen Form der Aquakultur muss der gezüchtete Fisch anfangs selbst mit Fisch gefüttert werden, das führt zu einer Massentierhaltung.

Was kann der Verbraucher tun?

Man kann beim Kauf auf Siegel zu achten, die eine Herkunft aus einem natürlichen Kreislauf garantieren. Zudem sollte Fisch wieder zur Delikatesse werden und nicht tagtäglich konsumiert werden. Wir haben die Macht im Supermarkt, seitens der Politik braucht es weitere Regulierung.