heute in bremen

„Wenn ich auf der Arbeit Pornos schaue“

Foto: Ambulante Suchthilfe

Eva Carneiro Alves, 55, ist Psychologische Psychotherapeutin und Leiterin der Ambulanten Suchthilfe Bremen.

Interview Jean-Philipp Baeck

taz: Frau Carneiro Alves, ich schaue täglich auf der Arbeit acht Stunden lang auf den Bildschirm. In der Freizeit manchmal dann noch auf den Fernseher. Bin ich damit mediensüchtig?

Eva Carneiro Alves:Nein. Die alleinige Nutzungsdauer des Internets macht keine Sucht aus. Dafür müssen die negativen Folgen betrachtet werden: die Vernachlässigung von Arbeit, Schule oder sozialen Kontakten, aber auch körperliche oder psychische Beschwerden.

Ab wann spricht man von einer Sucht?

Man muss nach einem schädlichen Gebrauch von Medien fragen: Gibt es Suchtsymptome? Ist jemand nahezu ausschließlich im Internet aktiv? Habe ich Entzugserscheinungen, wenn ich nicht an mein Smartphone kann? Das wären einige von vielen möglichen Anzeichen.

Ich habe den Eindruck, das Problem fängt immer erst an, wenn Medien in der Freizeit konsumiert werden …

Es geht um den problematischen Umgang. Etwa, wenn ich auf der Arbeit auf meinem Smartphone Pornos schaue, obwohl ich eine Bilanz erstellen möchte. Während der Arbeitszeit werde ich für etwas bezahlt und es kann schlimme Folgen haben, wenn ich etwas anderes tue: Etwa Unfälle, weil Leute nebenbei Nachrichten verschickt haben. Das kann bis zum Arbeitsplatz-Verlust führen.

Wie viele Menschen sind in Bremen von Mediensucht betroffen?

Fachtag „Medienabhängigkeit“ über Beratung, Intervention und Behandlung,

10 Uhr, LIS Bremen,

Am Weidedamm 20

Das können wir nicht sagen: Wir sind alle viel online, der meiste Gebrauch ist unproblematisch. Man geht aber davon aus, dass ein bis zwei Prozent der Menschen einem abhängigen Gebrauch von Medien-Applikationen nachgehen. Jugendliche und junge Erwachsene sind besonders betroffen.

Sind Smartphones in der Schule dann eine gute Idee?

Es kommt immer auf die Nutzung an: Zu lernen, mit dem Medium umzugehen, ist sinnvoll – während des Unterrichts zu chatten oder online zu spielen ist es nicht.