petition der woche

Kleingeld macht auch Mist

Anlass der Petition Cent-Preise und Kupfergeld

Das wollen die Initiatoren die Einstellung der Kupfergeldproduktion

Das wollen sie nicht Preistrickserei, schwere Geldbeutel und Ressourcenverschwendung

Italien, Finnland, Niederlande und Griechenland haben eines gemein. Ihre Zentralbanken lassen keine 1- und 2-Cent-Münzen mehr prägen. In Deutschland sind die Herstellung und das Handeln dagegen alltägliches Geschäft. Ingo Herbst aus Göttingen, Gründer einer Weltladenkette, sieht darin ein großes Problem. Er hat eine Petition gestartet und fordert vom Deutschen Bundestag, dass 1, 2 und 5 Cent-Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel abgeschafft und aus dem Verkehr gezogen werden. Dafür spreche vieles.

Da wären zum einen die „gebrochenen Preise“, wie Herbst sagt. Wenn etwas 3,99 Euro kostet anstatt 4 Euro zum Beispiel. „Das suggeriert den Kunden, dass sie weniger Geld ausgeben.“ In Herbsts Weltläden soll das nicht sein, deshalb wird dort gerundet statt „getrickst“.

Ein weiterer Grund: Das Bezahlen mit Kleingeld sei umständlich, argumentiert der mittlerweile in Rente gegangene Geschäftsführer. Die Geldbeutel werden schwer, und wer mit Kleingeld bezahle, verursache Staus an den Kassen. Berücksichtige man, was 2016 vom damaligen Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele gesagt wurde, dass nämlich 75 Prozent der Kupfermünzen wie im Nirvana zwischen Sesselritzen, in Hosentaschen und Sparschweinen verschwinden, machen Kupfermünzen noch weniger Sinn.

Deshalb verlangt Ingo Herbst mit der Petition nicht nur die Abschaffung des Kupfergeldes, sondern auch eine Ab- oder Aufrundung bei der Bezahlung am Ende eines Einkaufes.

Und einen weiteren Grund führt er an: den Klima- und Ressourcenschutz. 416 Tonnen Kupfer und 7.026 Tonnen Stahl sind für die Herstellung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen in den vergangenen drei Jahren verbraucht worden. Die weltweiten Kupfervorkommen reichen laut Experten nur noch für vier Jahrzehnte und sollten laut Petent*innen nicht für Centmünzen verschwendet werden. Bedenkt man allerdings, dass diese nur zu etwa 5 Prozent aus Kupfer bestehen, relativiert sich dieses Arguement.

Bereits zwei Anläufe gab es im Bundestag. Neben Ingo Herbst wollen auch einzelne Politiker*innen von den Grünen, der SPD und der CDU einen dritten. Laut Oliver Krischer, dem stellvertretenden Grünen-Fraktionschef, kostet die Prägung von 1 Cent etwa 1,65 Cent – also mehr, als die Münze hinterher wert ist. Jährlich produziert die EU 3,6 Milliarden Stück davon.

Man brauche die Kupfermünzen nicht, argumentieren die Kritiker und Kritikerinnen: Die Finanzminister der einzelnen Staaten könnten eine freiwillige Rundungsregel für den nationalen Bargeldverkehr einführen, die von der Europäischen Zentralbank genehmigt werden muss. Das habe, meinen Ökonomen, kaum wirtschaftliche Auswirkungen, weder auf den Handel noch auf das Preisniveau.

Ob die Produktion der Kupfermünzen nun eingestellt wird oder nicht, es bleibt die Frage: Was tun damit, wenn man sie nicht rumtragen will? Man könnte sie in Spendendosen werfen oder Bedürftigen direkt geben. Das Geld in der Bank einzutauschen ist indes mit recht hohen Gebühren verbunden. Dann vielleicht die Münzen doch lieber ins Blumenwasser schmeißen. Kupfer wirkt antibakteriell, hemmt Wachstum von Algen und könnte so die Haltbarkeit der Blumen verlängern. Bei dem geringen Kupferanteil ist der Effekt wohl aber eher gering. Hannah Bernstein