Torben Becker
sichtet die sozialen Bewegungen der Stadt

Auch dieses Jahr wurde zum 1. Mai wieder gegen die sich im neoliberalen Kapitalismus verschärfende Prekarisierung von Arbeit und Leben protestiert. Doch mit jedem Mai­beginn, jedem Arbeitsalltag und jeden Jahresabschlussbericht stellt sich die Frage: Muss Arbeit nur reformiert werden oder ist eine gänzliche Befreiung vom Joch der Lohnarbeit für alle möglich?

Spätestens seit den Debatten um ein bedingungsloses Grundeinkommen, wird diese Frage in vielen Bereichen diskutiert. Das hat bisher aber nur wenig an der generellen Stigmatisierung von Arbeitslosigkeit geändert. Denn diese gilt es zwar zu bekämpfen, doch sind die Leidtragenden of die Arbeitslosen selbst. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im Dezember 2018 etwa 2,21 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos. Wenn am 1. Mai also bestehende Ausbeutungsverhältnisse kritisiert werden, kann damit am 2. Mai nicht wieder Schluss sein. Aus diesem Grund findet am Donnerstag bereits zum 16. Mal der Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen statt. Leben muss nicht Arbeit sein und vielleicht müssen wir neue Ideen zu diesen Themen zulassen (2. 5., Treffpunkt am Senefelderplatz, ab 13 Uhr).

Für alternative und radikale Weisen, Arbeitskämpfe zu führen, gibt es zahlreiche Beispiele. 1972 gründete sich etwa die Gruppe oppositioneller Gewerkschafter (GoG) bei Opel in Bochum. Sie wollte die Belegschaftsinteressen weder unternehmens- noch IG Metall-konform vertreten wissen. Es ging ihnen um radikale oppositionelle Betriebsarbeit. Der Film „Luft zum Atmen“ (2016/ Johanna Schellhagen/labournet.tv), der heute im fsk Kino gezeigt wird, zeigt die Gruppe und deren Aktionen. Er ist kein Zeitdokument, entstanden aus bloß historischem Interesse. Vielmehr soll er Inspiration für Menschen sein, sich auch heute am Arbeitsplatz zu organisieren und Widerstand gegen Ausbeutung zu leisten. Im Anschluss wird mit der Regisseurin und zwei Protagonist*innen diskutiert (2.5., Segitzdamm 2, 20.15 Uhr).

Arbeit ist indes nur die halbe Miete und für die reicht sie oft kaum noch. Wohnen ist die neue soziale Frage, denn Wohnraum ist eine kapitalistischen Ware. Immer mehr Menschen wehren sich aber gegen den sogenannten Mietenwahnsinn und die Initiative „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ will mit einem Volksentscheid die Wohnungen privater Großvermieter in Gemeineigentum überführen. Aber geht das überhaupt? Ist die Vergesellschaftung von Wohnraum eine Lösung? Diese Fragen werden am Dienstag mit der IL Berlin in der B-Lage diskutiert (7. 5., Mareschstraße 1, 19.30 Uhr).