berliner szenen: Christopher Trimmels Hose
Ich habe sie. Seine weiße Shorts, die er in der Saison 2014/2015 immer dann anhatte, wenn nicht in Rot gespielt wurde. Am letzten Spieltag in besagter Saison drehte die Mannschaft noch eine lange Ehrenrunde, bevor es in die Sommerpause ging. Mit dabei hatte sie zwei große Säcke, aus denen sie Devotionalien zog und auf die Zuschauerränge warf. Das Stadion war ausverkauft, und es war ziemlich unwahrscheinlich, dass ich etwas fangen würde, aber plötzlich hielt ich Christopher Trimmels Hose in den Händen. Blütenweiß und gewaschen. Ich hatte einfach meine Arme ausgestreckt.
„Die hat der doch nie getragen“, sagte meine Frau skeptisch, als ich nach Hause kam und sie ihr zeigte.
Aber warum nicht? Ich glaube, dass er sie in seinen stärksten und den wichtigsten Spielen der Saison anhatte und dass von dieser Stärke und seinem Siegeswillen immer noch etwas in dieser Hose steckt. Ich spiele kein Fußball, aber ich spiele hin und wieder Tennis, und ich trage dabei gern seine Shorts. Wenn ich in einem Match aussichtslos hinten liege, berühre ich die 28 auf der Hose und konzentriere mich auf den Aufschlag meines Gegners. Ich stelle mir vor, dass der Tenniscourt sich in der Alten Försterei befindet. Die Waldseite jubelt mir zu und die Gegengerade ist ein Meer aus rotweißen Schals. Manchmal schaffe ich das scheinbar Unmögliche: Aus einem 0:40 beim Stand von 0:5 wird noch ein Punktgewinn und eineinhalb Stunden später ein Sieg. Ich gehe stolz zum Handshake ans Netz.
Diese kleinen Sensationserfolge verdanke ich Christopher Trimmel. Vielleicht hätte ich, wenn ich oben herum auch noch ein Trikot von ihm tragen würde, sogar eine Chance gegen Roger Federer. Sollte also irgendwer ein Trimmel-Trikot besitzen und es abgeben wollen, freue ich mich, wenn er sich bei mir meldet. Daniel Klaus
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