Anne Haeming
Der Wochenendkrimi

Neuer Italien-Krimi in der ARD:
Kommissar Kotzbrocken und die Alpen

Die Stimmung ist immer eher so mittel bei Kommissar Rocco Schiavone (Marco Giallini) Foto: ARD

Freude, schöner Götterfunken. Aber in der Version jaulende E-Gitarre. Wer sich das als Klingelton aussucht, hat’s nicht so mit überschäumender Seligkeit. Und jupp, Kommissar Rocco Schiavone findet erst mal alles beschissen. Teils Naturell, teils umständehalber: Ehefrau tot, strafversetzt von Rom in die Alpen, umgeben von Assistenten, die keine Leichen sehen können. Und so stapft er, trotziger Römer, eben nachts mit seinen dünnen Lederschuhen durch den wadenhohen Schnee in Aosta, zieht im Büro einen Joint nach dem anderen und eigene Kriminalitäten durch.

Schiavone ist der Neue im deutschen TV-Krimiarsenal. „Der Kommissar und die Alpen“ ist eine italienische Serie, Vorlage ist eine Krimibuchreihe von Antonio Manzini, umgesetzt von Regisseur Michele Soavi, bis in den April zeigt die ARD die ersten sechs Folgen (dann erscheint mit „Ein kalter Tag im Mai“ auch Band 4 auf Deutsch bei Rowohlt). Und auch wenn manches auf den Keks geht, scheint diese Serie nicht annähernd so lahm wie Commissario Brunetti oder der Saar-„Tatort“.

Aber erst mal muss Schiavone nachts raus. Hoch in ein Bergdorf. Eine Pistenraupe hat einen Mann in den Boden geplättet. „1.500 Meter? Was treibt man denn auf 1.500 Meter Höhe?“, fragt er seinen Kollegen. – „Na, Skifahren zum Beispiel.“ – „Eine schweinemäßig nervige Sache der achten Stufe.“ Die höchste Stufe für ihn: ein Mord. Aber hilft ja nichts. Also ran: Die schwangere Frau des Opfers ist eine Einheimische, der eifersüchtige Ex wohnt auch noch da, die Schuhverkäuferin, die Skilehrer, hier wissen alle alles. Na ja, zumindest den Tratsch. Und der Kommissar immer grantelnd durch den Schnee den Spuren hinterher.

Schweinemäßig nervig ist daran zweierlei: Wie akzeptabel es als Unterhaltungsstoff immer noch ist, dass ein Chef sein Team permanent aufs Widerlichste vernichtet – dagegen sind Schiavones „Tatort“-Kollegen Schimanski und ­Faber fast Ombudsmänner. Und dass er seiner jungen, hübschen, schlauen Mitarbeiterin seine Avancen überall hinpackt. Echt, es reicht.

Diese Serie hat dennoch ihren Reiz. Nicht wegen der Fälle, sondern dieser Figur. Es mag wie ein Zirkelschluss klingen, liegt aber an Darsteller Marco Giallini, der seinen Schiavone zwischen ­veritablem Kotzbrocken und ­Er-kann-es-halt-nicht-so-Zeigen balanciert. Wie eine Übung in: Wie arrangiere ich mich mit einer Lebenssituation, in der ich nicht sein will, aber keine Kraft habe, etwas dagegen zu tun.

„Der Kommissar und die Alpen“, Sa., 21.45 Uhr, ARD