boulevard der besten

Hanna
Voß

Foto: Isabel Lott

Ohne auch nur eine einzige Gegend Deutschland und ihre Menschen dissen zu wollen, aber: Menschen aus dem Ruhrgebiet haben dieses gewisse Etwas. Sie sind freundlich ohne Anbiederei, sie wissen, was Zusammenleben mit vielen anderen bedeutet – Unterschiedliches aushalten müssen. Und irgendwie dies auch schätzen. Eine Freundlichkeit, die Außenstehende gern für Kumpelei halten. In Wahrheit ist es eine gewisse Unerschütterlichkeit, die die Menschen im Ruhrgebiet auszeichnet. Krise? Kenn’ wir, seit es uns hier gibt! Der Umgang mit ihnen ist meist leicht, besonders aber bei unserer Redaktionskollegin Hanna Voß. Sie gehört zu diesem Menschenschlag aus dieser Ecke des Landes, industriell durch und durch geprägt – viel Maloche, aber Überlebenswillen. Dünkel hat bei ihr, der studierten Journalistin, keinen guten Platz.

Dieser robuste Zug zum Egalitären zeichnet auch das journalistische Arbeiten Voß’ aus. In Porträts über die letzte Zeche des Reviers, über die Herkunft des Gelsenkirchener Fußballers Mesut Özil oder kürzlich in einem Pro & Contra in der taz zur Frage, ob Hunde an den Arbeitsplatz mitgenommen werden dürfen. Hanna Voß war da glasklar: Sie dürfen. Der Satz „Es gibt Hunde, die ihre Besitzer bei Schizophrenie, Depressionen und Angststörungen begleiten. Seinen Hund ins Büro mitbringen zu dürfen fällt also auch unter Barrierefreiheit“ muss als Juwel gebündelter Erkenntnis gelten. Wobei ihre Haltung erklärlich ist, wie sie selbst sagt: „Wenn ich nicht Journalistin hätte werden wollen, dann, zumindest kurze Zeit dachte ich das, wäre mir auch der Beruf der Hundepsychologin recht gewesen.“

Sie hat nach der Schule in Duisburg Politik studiert und später in Leipzig Journalismus – eine schwierige Erfahrung für sie: „Meine Heimat ist zuallererst Dortmund, dann das Ruhrgebiet. Vor allem im ersten halben Jahr in Leipzig hatte ich manchmal sehr viel Heimweh und bin so gut wie jedes Wochenende nach Hause gefahren.“ Sie hatte in der ja gar nicht so unbeliebten sächsischen Stadt das Gefühl, wie sie sagt, „meine Art passt nur ins Ruhrgebiet“.

Für ihre Ausbildung zur Journalistin brachte sie viel Vorerfahrung mit, Schülerzeitung, Anzeigenblatt, Praktikum bei der Westfälischen Rundschau, dort arbeitete sie besonders gerne im Sportressort. Hanna Voß ist BVB-Fan und eine vorzügliche Sportkennerin. Zum Erfolg des taz-WM-Teams 2018 trug sie entscheidend bei. Dass sie die taz Leipzig mitgründete, sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Ihr Zug zur taz-Zentrale in Berlin war, wie gut, damit fast zwangsläufig geebnet. Momentan arbeitet sie im Recherche- und Reportageressort – eine Kollegin, mit der zusammenzuarbeiten eine Freude ist. Jan Feddersen