heute in bremen

„Schreckliche Bilder von brennenden Kaninchen“

Foto: privat

Gaby Schwab, 56, ist Sprecherin des Bremer Tierschutzvereins e. V., seit 14 Jahren im Tierschutz aktiv und hat drei Hunde zu Hause.

Interview Gareth Joswig

taz: Frau Schwab, machen Sie ein Osterfeuer?

Gaby Schwab: Nein, natürlich nicht!

Warum nicht?

Das ist uns viel zu gefährlich. Und außerdem ist es eine Todesfalle für viele Tiere. Das ist genau wie die ewige Silvesterböllerei ein überholtes Brauchtum von früher, das man eigentlich in der heutigen Zeit allmählich aufgeben könnte.

Warum sind Osterfeuer Todesfallen?

Das Holz und Reisig für das Osterfeuer wird ja schon Tage und Wochen vorher aufgeschichtet. Viele Tiere nehmen die aufgebauten Osterfeuerhaufen gerne als Unterschlupf und leben dann darin. Und dann wird es plötzlich von jetzt auf gleich angezündet. Die Tiere bekommen dann Angst und verkriechen sich noch weiter ins Innere. Sie haben keine Fluchtmöglichkeit, weil die Feuer von allen Seiten angezündet werden und verbrennen.

Wie kann man die Tiere vor dem Anzünden vertreiben?

Wer unbedingt ein Osterfeuer machen will, muss sein Feuerholz unbedingt vor dem Anzünden umschichten. Nur kurz am Haufen rütteln bringt nichts, weil sich die Tiere dann erst recht verkriechen. Nur weil die Leute zu bequem sind, müssen Tiere verbrennen. Wenn sie unbedingt wollen, sollen die ihr Holz ja gerne verbrennen – aber bitte vorher umschichten! Und wenn das Osterfeuer drei Meter hoch ist, müssen das halt fünf Leute machen.

Welche Tiere leben überhaupt in den Reisighaufen?

Vom Igel über Insekten bis zu kleinen Vögeln. Alles, was kreucht und fleucht. Für die kleinen Tiere ist ein großer Holzhaufen eine ideale Bleibe – aus ihrer Sicht ist das ein fertiger kleiner Bau und ein Unterschlupf.

Osterfeuer gibt es an 44 Orten in der Stadt. Das zentrale Feuer am Weserstrand am Café Sand findet dieses Jahr wegen des Wetters nicht statt, dafür gibt es welche ringsum bei den Rudervereinen.

Warum sind diese Kleintiere besonders schützenswert?

Jedes Tier gehört in den Kreislauf der Natur und sollte geschützt werden. Und, klar, ein Igel im Garten hat noch nie geschadet.

Gibt es Schätzungen darüber, wie viele Tiere jedes Jahr in Osterfeuern ums Leben kommen?

Verlässliche Zahlen sind mir nicht bekannt. Es gab allerdings im vergangenen Jahr schreckliche Bilder und Videos von Igeln und Kaninchen, die brennend aus den Osterfeuern herausgerannt kamen.