das portrait
: Der König, der die Katalanen endgültig für Spaniens Monarchie verlor

König Felipe VI. hat lange auf eine Chance gewartet, sich als Retter Spaniens darzustellen. Jetzt ist sie da – und er könnte sie vermasseln. Wie Vater Juan Carlos, der am 23. Februar 1981 im Fernsehen auftrat und die junge Demokratie gegen die Putschisten in Schutz nahm, sprach der 49-jähriger Sohn Felipe VI. am Dienstagabend zum Konflikt in Katalonien.

Felipe, der bisher als König einer neuen Generation galt, zeigte sich hart, wie damals Papa: „Die Verantwortung der legitimen Gewalten des Staates ist es, die verfassungsmäßige Ordnung aufrecht zu erhalten.“ Er sprach von Gesetz und Ordnung – und vergaß dabei, dass seine Aufgabe laut Verfassung Vermittlung zwischen Interessen ist, nicht Machtausübung.

Der König verlor kein Wort des Bedauerns über die rund 900 Opfer der Polizeigewalt am Tag des Referendums, er sprach nicht einen Satz, nicht einmal einen Gruß auf Katalanisch – obwohl er diese Sprache perfekt beherrscht.

„Überaus gut vorbereitet“ sei er für das Amt, schrieb die Presse über den damaligen Kronprinzen vor dessen Krönung. Felipe von Borbón und Griechenland – so sein offizieller Name – ist Jurist und absolvierte eine militärische Laufbahn. Den Posten als Staatschef übernahm er im Juni 2014, als Vater Juan ­Carlos I. überraschend abdankte, nachdem er sich bei einer Elefantenjagd in Begleitung einer Geliebten verletzt hatte. Gegen Felipes Schwester Cristina und deren Ehemann wurde wegen Korruption ermittelt, die Beliebtheit des Königshauses war an einem Tiefpunkt angelangt. „Der moderne Felipe“ sollte die Institution retten. Doch trotz euphorischer Presseberichte war die Jubelfahrt durch Madrid anlässlich der Krönungszeremonie nur spärlich besucht. Also arbeitete Felipe VI. an seinem Image. Er stellte sich als der moderne Monarch dar, der verschiedene soziale Gruppen, fortschrittliche Künstler, Vertreter der Zivilgesellschaft bis hin zu AktivistInnen aus der LGTB-Bewegung zu sich in den Palast lädt. Als erster König ist er mit einer Bürgerlichen verheiratet. Seine Frau Letizia Ortiz, mit der er zwei Töchter hat, war vor der Ehe Journalistin im Staats-TV. All das klingt nach Zukunft. Doch was Sympathiepunkte hätte bringen können, erreicht das Gegenteil: Der extravagante Lebensstil der Gemahlin und das hohe Gehalt für die erst 11-jährige Tochter Leonor in ihrer Funktion als Kronprinzessin sind nur zwei Beispiele dafür, was in Zeiten der Krise in Spanien trotz aller ge­fälligen PR-Reportagen über die perfekte Königsfamilie immer mehr auf Unverständnis stößt.

Mit seiner TV-Ansprache zu Katalonien lässt Felipe VI. nun all das hinter sich. Anders als sein Vater 1981 trug er einen Anzug statt der Uniform des obersten Befehlshabers der spanischen Armee – doch in der Ansprache versuchte er als starker Monarch das ältere, konservative Spanien zu beeindrucken. Ob ihm das gelungen ist, muss sich zeigen. Einen Großteil der Jungen und vor allem einen Großteil der Katalanen hat Felipe endgültig für die Monarchie verloren, egal ob sie die Unabhängigkeit wollen oder nicht. Reiner Wandler

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