taz sachen

RedaktörInnen-Widerstand muss eckig sein

Nur mal damit das ganz klar ist: Wenn etwas Neues entsteht, sind die Beharrungseffekte oft enorm. In unserem Fall soll der Kenkel weg. Was an sich noch nicht besonders skandalös ist – schließlich ist ein Kenkel nichts anderes als ein Viereck. Und hat nur einen Zweck: Texte in Unterpunkte zu teilen. Was nachvollziehbarerweise stört, wenn alles fließen soll.

Andererseits: Der Kenkel ist ein Kenkel ist ein Kenkel. Er wurde benannt nach Wolfgang Kenkel. Das war der Grafiker, der das Viereck einstmals in die taz brachte. Seitdem nannten die meisten tazler das Viereck liebevoll einen Kenkel. Manchmal, wenn die Zeit es hergab, riefen RedaktörInnen kurz vor Redaktionsschluss in der Korrektur an und fragten mal verschämt, mal liebevoll: Kannst du mir da bitte noch einen Kenkel reinmachen? Es gab tazler, die trauten sich zeitlebens nicht, Wolfgang Kenkel zu duzen.

Okay, es schmerzt, wenn Gepflogenheiten abhandenkommen. Aber im neuen Layout soll es wie gesagt keine Kenkel mehr geben, damit die Texte besser fließen. Das soll der Redaktion den Raum eröffnen, den es braucht, um Grenzen zu überschreiten. Ist doch gut, oder? Schon – aber die taz ist eine Zeitung von Dickköpfen und Dickköpfinnen, und die gehen gern über Grenzen. Es ist gut, wenn das neue Layout uns dabei hilft. Dabei pfeifen wir unseretwegen auch auf den Kenkel. Aber wir wollen selbst bestimmen, was wir nicht mehr dürfen. Wir wollen selber auf den Kenkel pfeifen! Also, damit das klar ist: Der Kenkel ist nicht tot. Der Kenkel lebt. Hier ist der Kenkel: ■ MK