DER RECHTE RANDWAS HAMBURGS VORLÄUFIGE POLIZEISTATISTIK BESAGT

Immer mehr Übergriffe

Der Anstieg ist schon in der vorläufigen Auswertung signifikant: 63 rechtsextrem motivierte „Delikte gegen Leib und Leben“ registrierte die Hamburger Polizei von Januar bis September 2012. Das ergibt die Antwort des Senats auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Karl-Heinz Warnholz. Im gesamten Jahr 2011 gab es den Behörden zufolge 41 solcher Übergriffe auf Menschen, die nicht in das Weltbild der rechtsextremen Täter passen.

Diese Entwicklung spiegele keinen erhöhten Aktionismus der NPD wider, sagt ein Mitarbeiter des Mobilen Beratungsteams Hamburg (MBT). Für die Experten ist das keine Überraschung: Nur selten sind die Täter auch Parteimitglieder. Im vergangenen Jahr musste das Beratungsteam auch keine gezielten Angriffe aus der Szene wahrnehmen. Seit Jahren ein bundesweites Merkmal rechtsextremer Gewalt: Die meisten Angriffe geschehen bei spontanen Begegnungen.

2010 konnte die Hamburger Innenbehörde noch einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr vermelden: 2009 waren offiziell 30 Gewalttaten gezählt worden, im Jahr darauf dann 21. Die Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt im Norden warnen indes immer wieder davor, die statistisch erfassten Zahlen mit den absoluten Zahlen zu verwechseln: Die Dunkelziffer liege höher, unter anderem weil Opfer sich nicht bei der Polizei melden, da sie Angst vor weiteren Anfeindungen haben. Oder weil sie sich schlicht nicht gut betreut fühlen. Oder weil Beamte das Erlittene nicht als politisch motiviert einstufen.

Die Zunahme der gemeldeten Fälle in Hamburg, sagt der Mann vom MBT, dürfte einer gestiegenen Sensibilität zu der Thematik geschuldet sein: Die anhaltende Diskussion um die Morde und Bombenanschläge des terroristischen „Nationalsozialistischen Untergrunds“ könnten dazu ermutigt haben, Anzeigen zu erstatten – trotz Ermittlungsfehlern und pannen.

Hinweis: ANDREAS SPEIT arbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene nicht nur in Norddeutschland